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Kenntnisnahme ohne finanzielle Auswirkungen - 2017/141

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Sachverhalt

Kenntnisnahme

Die Ergebnisse der Reichweitenuntersuchung zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit werden zur Kenntnis genommen.

 

Zusammenfassung des Sachverhalts

Die Stadt Leonberg und die beauftragten Träger der freien Jugendhilfe bieten mit ihren Einrichtungen Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Freizeitmöglichkeiten in offenen Treffs, gruppenpädagogische Angebote, Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten uvm. Die Kinder- und Jugendarbeit ist in Leonberg sozialräumlich ausgerichtet. Die vier Träger Waldhaus gGmbH, Verein für Jugendhilfe im Landkreis Böblingen e. V., Jugendhaus Leonberg e. V. und AWO Böblingen-Tübingen gGmbH betreuen die Leonberger Stadtteile. Pro Stadtteil ist ein Träger für die gesamte Kinder- und Jugendarbeit verantwortlich. Alle Träger verfügen über ein eigenes Qualitätsmanagementsystem und sind stets daran interessiert die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit den Bedarfslagen der Kinder und Jugendlichen anzupassen.

 

Die Lebensbedingungen Jugendlicher unterliegen einem raschen Wandel. Daraus entsteht die Notwendigkeit tiefergehende Informationen zu Lebenslagen, Einstellungen und Freizeitinteressen Jugendlicher zu erhalten. 

 

Die Landesregierung möchte mit dem „Zukunftsplan Jugend“ die Kinder- und Jugendarbeit zukunftsweisend ausrichten und eine nachhaltige Kinder- und Jugendpolitik fördern. Mit dem Förderprogramm zur Feststellung der Reichweite der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bestand die Möglichkeit im Kommunalverbund mit den Städten Ludwigsburg, Weil der Stadt und Holzgerlingen die Reichweite der Offenen Kinder- und Jugendarbeit u. a. auch in Leonberg wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Die Entscheidung zur Teilnahme an dem Förderprogramm wurde im Einvernehmen zwischen Stadtjugendreferat und den Trägern der freien Jugendhilfe in Leonberg getroffen.

 

Aufgrund des Zusammenschlusses mehrerer Kommunen konnten mit dem Förderprogramm zwei aufeinander abgestimmte Teilforschungen durchgeführt werden:

 

Teil 1: Repräsentative Jugendbefragung

Teil 2: Tiefergehende Nutzer- und Nutzerinnenbefragung der Offenen Kinder- und

Jugendarbeit (Jugendhäuser/Jugendcafés und Schülercafés)

 

Die repräsentative Jugendbefragung führte das Institut für angewandte Forschung (IAF) der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg durch, die Nutzer- und Nutzerinnenbefragung erfolgte durch das Institut für angewandte Sozialwissenschaften der Dualen Hochschule Stuttgart. Neben dem Kommunalverbund entstand somit auch ein dazugehöriger Hochschulverbund.

 

Zudem wurde die Forschung durch die Landesarbeitsgemeinschaft offene Jugendbildung Baden-Württemberg e. V. (LAGO) und Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Baden-Württemberg e. V. (AGJF) begleitet 

 

Alle Projektpartner stimmten sich im Rahmen einer regelmäßig tagenden Steuerungsgruppe ab.

 

Forschungsleitende Fragestellungen der Steuerungsgruppe:

 

-          Welche sozialstrukturellen Merkmale kennzeichnen den Personenkreis der Nutzerinnen und Nutzer von Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit (z. B. Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Schulbildung).

-          Welche (jugendkulturellen) Vorlieben und Präferenzen haben Nutzerinnen und Nutzer von Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit und wie lässt sich deren Freizeit- und Aneignungsverhalten charakterisieren (z. B. Freizeitinteressen, Hobbies, Vorlieben, jugendkulturelle Interessen, etc.).

-          Was sind die Motive zur Nutzung von Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in den genannten Kommunen (z. B. Geselligkeitsmotive, Gemeinschaftserlebnisse, persönliche oder familiäre Probleme).

 

Die Ergebnisse der beiden Teilforschungen liegen seit April den Kommunen vor. Beide Hochschulen haben neben den beiden umfangreichen Forschungsberichten auch entsprechende Kurzfassungen erarbeitet, die der Vorlage zur Kenntnisnahme beiliegen. Die kompletten Forschungsergebnisse können unter www.leonberg.de/Kinder und Jugendliche eingesehen werden.

 

In allen Kommunen werden die Forschungsergebnisse in den Ausschüssen durch die wissenschaftliche Begleitung vorgestellt.

Ziele der Maßnahme

-          Qualitätssicherung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

-          Bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leonberg

Sachverhalt/Sachstand

Das landesweite Förderprogramm „Zukunftsplan Jugend“ ermöglicht den Kommunen und Trägern der freien Jugendhilfe die Offene Kinder- und Jugendarbeit (Jugendhäuser, Jugendcafés und Schülercafés) als kommunales Angebot für Kinder und Jugendliche mit folgenden Zielen wissenschaftlich untersuchen zu lassen:

 

-          aktuelle, wissenschaftliche fundierte Erkenntnisse über die Nutzung und Attraktivität der Jugendeinrichtungen zu erhalten,

-          das Nutzungsverhalten der Jugendlichen  zu analysieren,

-          Kenntnisse über die Bedarfs-/Lebenslagen der Kinder und Jugend der Jugendlichen in den Kommunen zu erhalten und

-          die bedarfsgerechte, qualitative  Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendeinrichtungen in den Kommunen zu gewährleisten.

 

Das Forschungsprojekt startete im Januar 2016. Die Befragung der Jugendlichen erfolgte im Oktober/November 2016.

 

Seit Mitte April liegen die Ergebnisse der beiden Teilforschungen zur Reichweitenuntersuchung vor. Die Ergebnisse aller im Jahr 2016 durchgeführten Reichweitenuntersuchungen wurden im April der interessierten Fachöffentlichkeit im Rahmen eines Fachtags vorgestellt.

 

Für Leonberg sind folgende weitere Schritte geplant:

 

-          Ergebnispräsentation durch die wissenschaftliche Begleitung im S-Ausschuss.

-          Klausurtagung mit den Trägern und Fachkräften zur bedarfsgerechten Weiterentwicklung auf Grundlage der Reichweitenuntersuchung.

 

Zusammenfassung der Ergebnisse der Reichweitenuntersuchung zur Weiterentwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leonberg:

 

  1. Offene Jugendarbeit ist ...
    1. ein wichtiger Bestandteil einer kommunalen Leistungsvielfalt für Kinder und Jugendliche, gleichwertig wie Angebote der Mobilen Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit an Schulen zu sehen,
    2. neben dem offentlichen Raum (Bolzplätze, Jugendplätze, ...) ein zentraler Messwert von Jugendlichen für eine jugendfreundliche Kommune.

 

  1. Offene Jugendarbeit erreicht ...
    1. mit einem vielfältigen Angebot unterschiedliche Nutzergruppen und ermöglicht dadurch Begegnung,
    2. in Schülercafés an Schulen mit dem Altersspektrum 10 bis 16 Jahre Jugendliche im Altersdurchschnitt von 11,9 Jahren - bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 1 bis 2 Stunden. Schülercafés sind im Kontext Schule während der Mittagspause attraktive Aufenthaltsorte,
    3. in Jugendhäusern ältere Jugendliche im Altersdurchschnitt von 16,3 Jahren mit einem breiten Altersspektrum (8 bis 25 Jahre) und einer Verweildauer von 2 bis 5 Stunden. Sie nutzen die Jugendhäuser als Treffpunkte um sich mit Freunden zu treffen, Angebote zu nutzen, sich einzubringen und pflegen eine enge Bindung zu den Fachkräften.

 

  1. Offene Jugendarbeit ermöglicht...
    1. Aktivität und Partizipation der Jugendlichen zu fördern
    2. Rückzug und „Chillen“,
    3. Ausprobieren,
    4. Beheimatung,
    5. Unterstützung, Beratung und Einzelfallhilfe bei Problemen,
    6. Stärkung unterschiedlicher Lebensentwürfe und vorhandener Ressourcen,
    7. einfach „sein“ zu dürfen ohne weitere „Leistungserwartungen“.

 

  1. Offene Jugendarbeit braucht für eine gute Qualität...
    1. verlässliche Ressourcen - sowohl finanziell als auch personell; häufiger Fachkräftewechsel und reduzierte Öffnungszeiten erschweren die Beheimatung und persönliche Bindungen an die Einrichtungen.
    2. einen offenen Bereich mit einer einladenden Atmosphäre zum Ankommen, Chillen und „sein“ zu dürfen. Dies ist später Ausganspunkt für weitere Aktivitäten im Jugendhaus.
    3. kompetente Fachkräfte, die bereit sind sich sowohl inhaltlich als auch zeitlich auf die jugendlichen Lebenswelten einzulassen und sich in unterschiedlichen Arbeitsfeldern wie Einzelfallhilfe, Freizeitpädagogik, aufsuchende Ansätze einbringen zu können.
    4. ausreichend räumliche Ressourcen um unterschiedliche Nutzergruppen zu erreichen.
    5. vielfältige Angebote für vielfältige Jugendliche, um ein offener Begegnungsort unterschiedlicher Nutzergruppen zu werden.

 

Für die Jugendarbeit ergeben sich aus den Forschungsergebnissen folgende Fragestellungen:

 

-          Welche jugendlichen Nutzergruppen erreichen die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit und welche sollen erreicht werden?

-          Wie sehen die Öffnungszeiten den Einrichtungen aus und passen diese zu den erhobenen jugendlichen Zeitressourcen?

-          Welche Bedarfslagen haben die Jugendlichen und können diese mit unseren vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen gedeckt werden?

-          Wie sehen die zukünftigen Schwerpunktsetzungen aus?

-          Wie können neue Fachkräfte für das Arbeitsfeld gewonnen werden?

-          Welche Qualifikation brauchen Fachkräfte im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit?

-          Wie bekommt die Offene Kinder- und Jugendarbeit die notwendige Anerkennung in der Öffentlichkeit, die sie für eine kontinuierliche fachliche Arbeit braucht?

Weiteres Vorgehen

-          Klausurtag unter der Federführung des Stadtjugendreferats zu den Forschungsergebnissen und den daraus resultierenden Fragestellungen an die Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

-          Bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leonberg.

Alternativen zum Beschlussvorschlag

keine

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