Schelling, Hölderlin und der Dionysos-Mythos: Vortrag im Stadtmuseum

Am 27. Januar jährt sich der Geburtstag des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Aus diesem Anlass lädt die Internationale Schelling-Gesellschaft am Freitag, 30. Januar, 19.30 Uhr, im Stadtmuseum Leonberg zu einem Vortrag ein. Prof. Dr. Violetta Waibel aus Wien stellt den Dionysos-Mythos, der Philosophen und Künstler gleichermaßen inspirierte, in den Mittelpunkt. 


Schelling und Hölderlin im (virtuellen) Dialog über Dionysos

In Form eines Dialogs, einem virtuellen Gespräch zwischen dem Dichter Hölderlin und dem Philosophen Schelling, zeigt die Referentin Prof. Dr. Violetta Waibel die jeweiligen Interpretationen des Dionysos-Mythos. Von dort aus nimmt sie die Wirkungsgeschichte bis hin zu zeitgenössischen künstlerischen Werken in den Blick.

Dionysos ist einer der wenigen antiken Götter, der auch heute noch eine wichtige Rolle spielt. Zwar gibt es keine Tempel oder Kirchen für ihn, doch taucht er immer wieder in Texten, Musik und Kunstwerken auf. Ein Beispiel ist die Oper "Dionysos" des Komponisten Wolfgang Rihm, die 2010 uraufgeführt wurde. Rihm ließ sich dabei von dem Philosophen Friedrich Nietzsche inspirieren, der sich intensiv mit Hölderlin und dem Gedanken des Dionysischen beschäftigte. Auch der Wiener Künstler Hermann Nitsch griff Nietzsches Ideen auf und entwickelte daraus eine neue, provokante Form des Theaters. 

Hölderlin und Schellings Ansichten

Das Kommen des neuen, mythischen Gottes Dionysos hat Friedrich Hölderlin bereits um 1801 in seiner Ode "Brod und Wein" besungen und in weiteren Gedichten dessen bedeutende Rolle bedacht. Noch vor Nietzsche gestaltete er damit den Gedanken eines doppelten Kunstprinzips: Er stellte das Wilde und Ungeformte mehr und mehr an die Seite des Schönen und eröffnete so ein synästhetisches Kunsterleben.

Schelling rekonstruiert eine "Philosophie der Mythologie (1842)", in der die Göttergestalten eine Wirklichkeit nicht bloß darstellen, sondern sind, die weit über die symbolische Bedeutung hinausgeht, die man Göttern üblicherweise zuschreibt. Dionysos steht für Schelling vor allem für Entwicklung und Werden, ein Werden, das mit Leiden, Gegenreaktion, Flucht, Rückwendung, dann aber auch mit wesentlichen Fortschritten und Fortbewegungen hin zum Geistigen verbunden ist. 

Vortrag sucht Antworten für Bedeutung Dionysos

Im Vortrag geht die Professorin für Philosophie der Frage nach, warum Dionysos für Hölderlin und Schelling eine so große Bedeutung hatte und weshalb diese Figur immer wieder neu interpretiert wird, auch in der modernen Zeit. Leonberg ist dafür ein besonderer Ort, denn hier wurde Schelling geboren und hier hat auch die Schelling-Gesellschaft ihren Sitz.

Im Oktober 2025 fand anlässlich des 250. Schelling-Jubiläums bereits eine philosophisch-literarische Tagung statt, mit dem Fokus auf die beiden Tübinger Studienkollegen Schelling und Hölderlin. Nur wenige Monate später bietet sich der Geburtstag Friedrich Schellings an, eine weitere Facette gegenseitiger Beeinflussung zu beleuchten.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei.