"Alle Zeit der Welt": Dr. Uwe Painke geht in den Ruhestand
"Alle Zeit der Welt". Darauf freut sich Dr. Uwe Painke. Noch sieht sein Büro nach Auszug aus. Es ist etwas unordentlich. Papierstapel und Kisten stehen herum. Er mistet aus und lässt dabei Revue passieren. Nach 17 Jahren als Leiter der Volkshochschule Leonberg endet für Uwe Painke ein Lebensabschnitt, der geprägt war von Bildungsarbeit, gesellschaftlichem Wandel und einem ständigen Blick nach vorn.
Wer länger mit ihm spricht, erkennt schnell: Uwe Painke ist ein Mann, der Bildung nicht als Angebot versteht, sondern als Haltung.
Begonnen hat alles am 1. März 2009. An diesem Tag übernimmt Uwe Painke die Leitung der Volkshochschule Leonberg. Zuvor hatte er zehn Jahre lang die Familien-Bildungsstätte Leonberg e.V. geführt. In der Stadt war er gut vernetzt, in Ausschüssen präsent, bekannt für seine fachliche Kompetenz.
Als die Leitungsstelle an der Volkshochschule neu besetzt werden sollte, wurde er direkt angesprochen. Der Gedanke, noch einmal etwas Neues zu beginnen, reizte ihn. Besonders die landeskundlichen und politischen Themen sowie die gesellschaftliche Bildung seien für ihn ausschlaggebend gewesen.
Wachstum in Zahlen: Ein Angebot für Tausende
Heute kann Uwe Painke auf beeindruckende Zahlen zurückblicken: bis zu 30.000 Unterrichtseinheiten, rund 1.500 Veranstaltungen sowie jährlich zwischen 15.000 und 20.000 Teilnehmende.
Besonders der Sprachenbereich ist in seiner Amtszeit stark gewachsen. Mittlerweile umfasst das Angebot rund 20 Sprachen. Die Kurse sind gut besucht, ein Bereich, auf den Uwe Painke besonders stolz ist. "Sprachen sind das Tor zur Welt", wie er sagt.
Auch die Integrationskurse haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Gemeinsam mit seinem Team hat er die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen und das mit Erfolg. Im nördlichen Landkreis Böblingen ist die Volkshochschule Leonberg inzwischen mit Abstand der wichtigste Anbieter von Integrationskursen. "Damit Menschen hier sprachlich Fuß fassen können. Zuwanderung funktioniert nur über Sprache", betont Uwe Painke. Er weiß, welche gesellschaftliche Bedeutung die Volkshochschule in diesem Bereich hat. Jedes Jahr kommen mehrere hundert Menschen zu den Sprachkursen. Es entstehen Chancen auf Arbeit, auf Teilhabe und auf ein echtes Ankommen.
Der Blick über den Tellerrand
Wichtig war ihm stets auch die inhaltliche Arbeit. Uwe Painke wollte den Blick auf die eigene Heimat schärfen, Hintergründe sichtbar machen und das "Warum" erklären. Besonders die Fahrten und Exkursionen entwickelten sich unter seiner Leitung schnell zu einem Markenzeichen der Volkshochschule. Pro Jahr werden zwischen 100 und 130 Exkursionen angeboten. "Hier ist etwas sehr Schönes entstanden. Der Blick über den Tellerrand kommt bei vielen gut an", ordnet Uwe Painke ein. Ganz zurückziehen will er sich aus diesem Bereich dennoch nicht. Er hat sich vorgenommen, weiterhin im Hintergrund bei der Organisation zu unterstützen.
Doch all diese Meilensteine seien nicht allein sein Verdienst. "Es ist eine Teamleistung", sagt er. Zusammen haben die 15 Mitarbeitenden die Volkshochschule auch durch herausfordernde Zeiten gebracht.
Beim Ausräumen seines Büros und Durchsehen der Dokumente erinnert sich Uwe Painke auch an die stürmischen Zeiten der Pandemie. Von einem Tag auf den anderen musste das gesamte Programm neu gedacht werden. Präsenzkurse waren nicht mehr möglich, digitale Angebote wurden zur Notwendigkeit. Die Volkshochschule habe in kürzester Zeit den Sprung in die Digitalisierung geschafft. Ein Kraftakt, der nur durch Teamarbeit möglich gewesen sei. "Wir konnten so über die Hälfte der Kurse halten", erinnert sich Uwe Painke.
Ein Jahr nach der Pandemie stand die Volkshochschule wieder gut da und konnte sogar eines der besten Jahre verzeichnen. "Die Leute hat es förmlich zurückgezogen. Unser Angebot hat ihnen gefehlt", erklärt Uwe Painke.
Ein Ort der Begegnung und Teilhabe
Für ihn ist die Volkshochschule nicht nur ein Ort des Lernens, an dem der Horizont erweitert und kritisch nachgefragt werden kann. Sie ist auch ein Ort der Begegnung, ein Ort der sozialen Teilhabe, an dem Kontakte entstehen.
Vermissen wird er "das Getümmel und das Gefühl, etwas Wichtiges zu bewegen". Doch Leonberg wird er nicht vollständig den Rücken kehren: Er möchte weiterhin bei Exkursionen mitwirken und bei Stadtführungen den Besucherinnen und Besuchern Leonbergs Geheimnisse verraten.
Denn eines hat er nun: "Alle Zeit der Welt." Er freut sich auf alles, was lange aufgeschoben wurde, auf mehr Zeit mit der Familie und auf seine Hobbys