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Beschlussvorschlag mit finanziellen Auswirkungen - 2024/258
Grunddaten
- Betreff:
-
Personalgewinnung in Kindertageseinrichtungen
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorschlag mit finanziellen Auswirkungen
- Federführend:
- Amt für Jugend, Familie und Schule
- Beteiligtes Amt:
- Hauptamt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Sozial- und Kultusausschuss
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Vorberatung
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13.11.2024
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Erledigt
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Gemeinderat
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Entscheidung
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19.11.2024
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Beschlussvorschlag
1. Pädagogischen Fachkräften in Ganztageseinrichtungen wird weiterhin eine Arbeitsmarktzulage von 200 Euro brutto monatlich pro Vollzeitäquivalent (Teilzeitbeschäftigung entsprechend anteilig) gewährt.
Die zusätzlichen Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 172.000 Euro jährlich. Die Zulage wird für die nächsten 5 Jahre gewährt.
2. Für die Gewinnung von pädagogischen Fachkräften, die von Beschäftigten der Stadt Leonberg für die Tätigkeit in einer Kindertageseinrichtung über eine Beschäftigungszeit von mindestens 1,5 Jahren angeworben werden, wird weiterhin eine Prämie für die werbende und die geworbene Person in Höhe von je 1.000 Euro netto (bei einem künftigen Beschäftigungsumfang von bis zu 50 %) bzw. 2.000 Euro netto (künftiger Beschäftigungsumfang von über 50 % bis 100 %) für die Beschäftigten vorgesehen. Die Prämie wird für die nächsten 5 Jahre gewährt.
Die zusätzlichen Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 40.000 Euro pro Jahr.
3. Die Eingruppierung der Leitung und stellvertretenden Leitung von Kindertageseinrichtungen richtet sich nach den belegbaren Plätzen entsprechend der Betriebserlaubnis. Hat der Träger die Verringerung von belegbaren Plätzen zu vertreten, so besteht diese Eingruppierung für das folgende Kalenderjahr fort. Bei Reduzierung von Plätzen aufgrund der Anpassung an die demografische Entwicklung gilt dies nicht.
Sachverhalt
Sachverhalt mit der Stellungnahme der Verwaltung
Ausgangslage
Den größten Beschäftigungsbereich innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe macht die Kindertagesbetreuung aus: Vier von fünf Beschäftigten der Kinder- und Jugendhilfe sind in der Kindertagesbetreuung tätig. Hier hat infolge des erfolgreichen Kita-Platzausbaus zur Umsetzung des Rechtsanspruchs (seit dem Jahr 2013) auf Kindertagesbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr eine besonders starke Personalexpansion stattgefunden. Diese fiel dreimal so hoch wie in der deutschen Gesamtwirtschaft aus. Allein seit 2019 sind rund 100.000 zusätzliche Beschäftigte in das Berufsfeld der Kindertagesbetreuung eingemündet. Der Beschäftigungsausbau reicht jedoch nicht aus, um dem ebenfalls steigenden Bedarf an Angeboten der Kindertagesbetreuung gerecht zu werden. Aktuelle Berechnungen zeigen, dass bis 2030 zur Bedarfsdeckung in den westdeutschen Ländern zwischen 420.000 und 510.000 zusätzliche Plätze für Kinder im Alter bis zum Schuleintritt benötigt werden. Laut den Berechnungen würde im Jahr 2030 in den westdeutschen Ländern eine Personallücke von zwischen 50.000 und 90.000 Fachkräften bestehen. So bestehen vielerorts Personalengpässe, die den bedarfsgerechten Platzausbau hemmen und regional zu Einschränkungen z. B. der Öffnungszeiten führen. Das stellt Familien und Arbeitgebende vor große Herausforderungen. Fachkräfte, Träger und Eltern stehen ebenfalls vor großen Herausforderungen. Bereits heute arbeiten vielerorts Fachkräfte unter hohen Belastungen. Der Personalmangel in der Kinder- und Jugendhilfe verstärkt die ohnehin hohen Arbeitsbelastungen im Berufsfeld, die auf berufsfeldspezifische Arbeitsbedingungen, aber auch auf gestiegene Anforderungen zurückzuführen sind.1
Auch Familien, die über einen Platz in der Kindertagesbetreuung verfügen, können mit Herausforderungen konfrontiert sein. Fast die Hälfte der Eltern ist von ungeplanten Schließtagen und mehr als die Hälfte zumindest gelegentlich von verkürzten Öffnungszeiten betroffen. Fast drei Viertel aller Eltern berichten von mindestens einer dieser Herausforderungen. Diese Situation stellt für viele Eltern eine Belastung dar. Das gilt insbesondere für Alleinerziehende und für Eltern mit mehreren Kindern sowie mit beruflichen Verpflichtungen, die bereits im Alltag einen höheren Organisationsaufwand zu bewältigen haben. Es ist daher auch unter dem Aspekt der Verlässlichkeit der Angebote wichtig, die Fachkräftesicherung in den Kindertageseinrichtungen in den Fokus zu nehmen.2
Situation in den städtischen Kindertageseinrichtungen im Kindergartenjahr 2023/2024 (vom 01.09.2023 - 31.08.2024)
Trotz der angespannten Fachkräftelage konnten im Kindergartenjahr 2023/2024 zu 99 % die Betreuungszeiten in den städtischen Kindertageseinrichtungen aufrechterhalten werden. Lediglich an 30 von gesamt 2886 Tagen (222 Betriebsstage * 13 Einrichtungen) mussten Betreuungszeiten gekürzt werden. Erfreulicherweise mussten keine Gruppen geschlossen werden.
Ein bedarfsgerechtes und hochwertiges Angebot der Bildung, Betreuung und Erziehung für Kinder ist die Voraussetzung für Integration und Teilhabe von Anfang an sowie Grundstein für den späteren Bildungserfolg von Kindern. Insbesondere Kindertageseinrichtungen haben sich zu wesentlichen ersten Bildungsorten entwickelt. Ohne ausreichend Fachkräfte wird es nicht gelingen, Erwerbspotenziale von Eltern zu nutzen und Kinder in ihrer sozialen, emotionalen, körperlichen und geistigen Entwicklung zu fördern.
Neben der Fachkräftegewinnung durch Erstausbildung und Weiterbildung oder Ansprache zusätzlicher Zielgruppen rücken zunehmend die Arbeits- und Rahmenbedingungen als wichtiges Handlungsfeld der Fachkräftebindung in den Blick, da sie eine zentrale Rolle für die Gesundheit, die Arbeitszufriedenheit und damit für den langfristigen Verbleib von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe spielen.
Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Rahmenbedingungen müssen auf unterschiedlichen Steuerungsebenen ansetzen. Dazu gehören regulative Maßnahmen und tarifliche Rahmenbedingungen, aber auch die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung durch die Träger. Die Ausgestaltung und Umsetzung guter Arbeits- und Rahmenbedingungen vor Ort liegt im Verantwortungsbereich der Träger. Für eine höhere Attraktivität des Berufsfeldes kommt daher den Trägern bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortungsbereiche wie der Organisationsentwicklung, des Personalmanagements und der Personalentwicklung, des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der betrieblichen Gesundheitsförderung, Qualitätssicherung oder Fachberatung eine zentrale Rolle zu.3
Bei der Stadtverwaltung Leonberg sind derzeit ca. 210 Erzieherinnen und Erzieher auf 175 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) sowie 30 Aushilfen und 10 Werkstudenten beschäftigt. Aufgrund des erfolgreichen Ausbaus der Betreuungseinrichtungen (Kinderhaus Nord, Kinderhaus Binsenweg und Kinderhaus West) konnten in den letzten Jahren neue Kindertageseinrichtungen eröffnet und somit das Betreuungsangebot und damit die Anzahl der belegbaren Plätze stetig erweitert werden.
Kündigungen von Seiten der pädagogischen Fachkräfte lagen im Jahr 2023 bei 14 Prozent, was angesichts der vielen offenen Stellen und der Möglichkeit, überall als Fachkraft eine neue Stelle anzutreten, zeigt, dass die Rahmenbedingungen in den städtischen Kindertageseinrichtungen gut sind.
In den Kindertageseinrichtungen wird das Berufsfeld in über 90 % von weiblichen Beschäftigten ausgefüllt. Daher ist die Quote der freigestellten schwangeren Mitarbeiterinnen in diesem Bereich überdurchschnittlich hoch und führt zu kurzfristigen Personalengpässen. Stand Oktober 2024 befinden sich 30 Mitarbeiterinnen im Beschäftigungsverbot oder in Elternzeit. Diese i.d.R. jungen Mitarbeiterinnen haben vor der Schwangerschaft in Vollzeit gearbeitet und kehren lediglich in Teilzeit wieder zurück. Eine Planungssicherheit lässt sich daher im Bereich der Kindertagesbetreuung kaum verwirklichen.
Das Angebot an Fachkräften in Kindertageseinrichtungen ist nach wie vor bundesweit stark begrenzt. Durch die bisher gewährte Zulage im Ganztagesbereich und die Gewährung der Prämie bei Gewinnung neuer pädagogischer Fachkräfte, hat die Stadt Leonberg bereits sehr wirksame Anreize für ihre Beschäftigten umgesetzt und ein sehr gutes Niveau als Arbeitgeberin für Erzieher*nnen erreicht.
Um auch weiterhin im Wettbewerb um die Beschäftigten mit anderen Kommunen und anderen Trägern Schritt halten zu können, werden folgende Maßnahmen zur Personalgewinnung und -bindung im Bereich der städtischen Kindertageseinrichtungen vorgeschlagen:
1. Zulagen für pädagogische Fachkräfte im Ganztagesbereich
2. Prämie für die Gewinnung neuer pädagogischer Fachkräfte
3. Bestandschutz Eingruppierung der Leitungskräfte
1. Zulagen für pädagogische Fachkräfte im Ganztagesbereich
Laut Gemeinderatsbeschluss vom 23.07.2019 (befristet bis 01.01.2025) erhalten Beschäftigte eine befristete übertarifliche Zulage, solange sie mit flexiblen Arbeitszeiten und wechselndem Arbeitsbeginn im Ganztagesbereich einer städtischen Kindertageseinrichtung eingesetzt werden. Dies bedeutet konkret, dass sie an mindestens 3 Vormittagen pro Woche oder an mindestens 3 Nachmittagen pro Woche am Kind arbeiten. Der Beginn des Betreuungsdienstes muss wechseln. In der Einrichtung muss mindestens 6 Stunden am Stück am Kind gearbeitet werden und die pädagogische Fachkraft muss verpflichtet sein, an den wöchentlichen Dienstbesprechungen nach Ende der Betreuungszeit teilzunehmen.
Um in den städtischen Kindertageseinrichtungen in Leonberg auch zukünftig eine qualitativ hochwertige Betreuung durch Fachkräfte zuverlässig anbieten zu können, wird empfohlen, die Gewährung der Ganztages-Zulage für weitere 5 Jahre zu beschließen.
2. Prämie für die Gewinnung neuer pädagogischer Fachkräfte
Im Gemeinderatsbeschluss vom 23.07.2019 (befristet bis 01.01.2025) wurde für die Gewinnung von pädagogischen Fachkräften für die Tätigkeit in einer Ganztages-einrichtung über eine Beschäftigungszeit von mindestens 1,5 Jahren durch Beschäftigte der Stadtverwaltung Leonberg eine Prämie für die werbenden und für die geworbenen Beschäftigten der Stadtverwaltung in Höhe von 1.000 Euro (bei einem künftigen Beschäftigungsumfang von bis zu 50 %) bzw. 2.000 Euro netto (bei einem künftigen Beschäftigungsumfang von über 50 % bis 100 %) bewilligt. Die Prämie kann pro Fachkraft nur einmalig gewährt werden.
Durch diese Personalgewinnungsmaßnahme konnten 17 pädagogische Fachkräfte neu gewonnen werden.
Die Kosten beliefen sich auf 114.407,90 €.
Um in den städtischen Kindertageseinrichtungen in Leonberg auch zukünftig eine qualitativ hochwertige Betreuung durch Fachkräfte zuverlässig anbieten zu können, wird empfohlen, die Auszahlung der Prämie allen städtischen Kindertageseinrichtungen (Ganztag und Halbtag) für weitere 5 Jahre zu gewähren.
Es wird weiterhin empfohlen, dass die Stadt Leonberg die für diese Prämien anfallenden Sozialversicherungsabgaben und Steuern übernimmt, so dass die Beträge 1:1 bei den Beschäftigten ankommen.
3. Bestand Eingruppierung der Leitungskräfte
Die Stadtverwaltung soll als verlässlicher Arbeitgeber fungieren, um den professionellen Einsatz erfahrener Leitungen in den Kindertageseinrichtungen langfristig sicherstellen zu können und um Kündigungen zu vermeiden. In den dreizehn städtischen Kindertageseinrichtungen gab es im Bereich der Leitungen über die letzten Jahre keine Kündigungen. Konstante Leitungsteams sind die Basis für Stabilität und Verlässlichkeit. Daher kann die Bedeutung der Leitungen vor Ort für eine gute pädagogische Arbeit nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Die Eingruppierung der Leitung und stellvertretenden Leitung richtet sich nach den belegbaren Plätzen entsprechend der Betriebserlaubnis. Hat der Träger die Verringerung von belegbaren Plätzen zu vertreten, so besteht diese Eingruppierung für das folgende Kalenderjahr fort. Bei Reduzierung von Plätzen aufgrund der Anpassung an die demographische Entwicklung gilt dies nicht.
1 https://www.bmfsfj.de/resource/blob/240068/eec13f657847909b2a024f9dffa1df02/gesamtstrategie-fachkraefte-in-kitas-und- ganztag-empfehlungen-der-ag-data.pdf (Stand Mai 2024)
2 https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/kindertagesbetreuung-kompakt-244270 (Stand August 2024)
3 https://www.bmfsfj.de/resource/blob/240068/eec13f657847909b2a024f9dffa1df02/gesamtstrategie-fachkraefte-in-kitas-und-ganztag-empfehlungen-der-ag-data.pdf (Stand Mai 2024)
