Ratsinformationssystem
Kenntnisnahme ohne finanzielle Auswirkungen - 2023/142
Grunddaten
- Betreff:
-
Stadt für Morgen - Planung von Bushaltestellen
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Kenntnisnahme ohne finanzielle Auswirkungen
- Federführend:
- Referat für innovative Mobilität
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Geplant
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Gemeinderat
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Kenntnisnahme
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21.06.2023
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26.09.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt mit der Stellungnahme der Verwaltung
Im Planungsraum gibt es einige Bushaltestellen, die in die Straßenplanung miteinbezogen werden müssen. Wie diese in Zukunft ausgestaltet werden, ist aufgrund der Auswirkungen auf die mögliche Straßenraumgestaltung gut zu überlegen. Im Folgenden werden die Merkmale von Busbuchten und von Buskaps erläutert.
Busbucht oder Haltestellenbucht
Eine Busbucht ist eine baulich von der Fahrbahn abgetrennte Haltefläche für den Fahrgastwechsel des Busbetriebs. Sie liegt üblicherweise zwischen der Fahrbahn und dem Gehweg bzw. Wartebereich. Der Bus fährt von der Fahrbahn ab, lenkt auf die Busbucht ein und und kommt im hinteren Drittel der Bucht zum Halt.
Abbildung 1: Darstellung Busbucht
Um die Barrierefreiheit und einen gewohnten Einstieg direkt am Bord gewährleisten zu können, muss der Bus gerade am Busbord der Haltestelle anhalten können. Aufgrund der Lenkbewegungen die beim Ausscheren notwendig sind, ist eine gewisse Länge der Busbucht erforderlich um den barrierefreien Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Bei einer Buslänge von 18 Metern (Standardgelenkbus) beträgt die notwendige Länge der Busbucht 90 Meter. Zusätzlich wird eine Breite von 3 Metern. Der Gesamtflächenverbrauch beträgt etwa 180 m².
Anwendungsbereich
- außerorts bei Geschwindigkeiten über 50 km/h, aufgrund der Verkehrssicherheit
- innerorts bei hohen Verkehrsstärken über 750 Kfz/h und Busfolgezeiten von unter 10 Minuten
Vorteile
- Keine Beeinflussung des Verkehrsflusses
- Möglichkeit längere Wartezeiten des Busverkehrs abzuhalten
Nachteile
- Fahrzeitverluste: Bus muss sich einfädeln und verliert Zeit
- Unangenehme Seitenbeschleunigungen der Fahrgäste
- Schräges Anfahren verschlechtert die Barrierefreiheit und den Ein- und Ausstieg
- Hoher Flächenbedarf von 90 m Länge und 3 m Breite ca.180 m²
- Einschränkung der Gehwegbereiche, Warteflächen, Beeinträchtigung von Zufahrten, Parkplätzen etc.
Buskap oder Haltestelle am Fahrbahnrand
Ein Buskap ist eine auf der Fahrbahn gelegene Haltefläche für den Fahrgastwechsel des Busbetriebs. Der Bus hält direkt auf der Fahrbahn und kommt an der vorgesehenen Haltestelle zum Halt.
Abbildung 2: Darstellung Buskap
Aufgrund der Lage auf der Fahrbahn muss der Bus seine Fahrtrichtung nicht ändern und kann gerade an den Busbord anfahren. Der barrierefreie Einstieg kann daher problemlos gewährleistet werden. Bei einer Buslänge von 18 Metern (Standardgelenkbus) beträgt die notwendige Länge des Buskaps 20 Meter. Es wird keine zusätzliche Fläche benötigt, der Flächenverbrauch beträgt 0 m².
Anwendungsbereich
- innerorts bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h
- innerorts bei Verkehrsstärken bis 750 Kfz/h und Busfolgezeiten von über 10 Minuten
Vorteile
- Busbeschleunigung: Bus bleibt an Spitze des Fahrzeugpulks und kann direkt weiterfahren
- Hoher Fahrkomfort und Sicherheit für Fahrgäste (keine Seitenbeschleunigung)
- Barrierefreiheit: Gerades und präzises anfahren an Bord
- Kein zusätzlicher Flächenbedarf in innerstädtisch beengtem Raum
- Mehr Platz für Grün, Gehwege, Parkplätze, Radwege, Bushalteeinrichtungen, etc.
- Kostengünstiger in Herstellung und Pflege als Busbuchten
Nachteile
- Haltzeiten können nur im Rahmen des Fahrgastwechsels gehalten werden
- Der Verkehrsfluss kann beeinflusst werden
Bei den Auswirkungen auf den Verkehrsfluss gelten nach der Richtlinie zur Anlage von Stadtstraßen folgendes
- Bei Taktzeiten von 10 Minuten und größer ist die Anwendung von Buskaps immer möglich, die Beeinflussung auf den Verkehr ist geringfügig.
-
Bei Taktzeiten unter 10 Minuten gilt
- Ist die Verkehrsstärke unter 750 Kfz/h, sind die Auswirkungen auf den Verkehr unproblematisch, die Anwendung eines Buskaps wird empfohlen
- Liegt die Verkehrsstärke über 750 Kfz/h, entstehen hohe Auswirkungen und die Anwendung eines Buskaps wird nicht empfohlen
„Wegen der überwiegenden Vorteile sollen Haltestellenkaps auch an angebauten Hauptverkehrsstraßen möglichst häufig und regelmäßig angewendet werden. Auch der Rückbau von Bushaltebuchten zu Haltestellenkaps kann in der Regel als Verbesserung der kommunalen Verkehrsverhältnisse betrachtet werden.“
(Richtlinie zur Anlage von Stadtstraßen, FGSV)
Verkehrsdaten in Leonberg
Bei der Analyse der Verkehrsdaten in Leonberg ergeben sich folgende Bilder
Anwendungsbereich unter 750 Kfz/h Buskap wird empfohlen
- Stuttgarter Straße 341 – 461 Kfz/h
- Leonberger Straße 465 – 604 Kfz/h
- Brennerstraße 390 – 643 Kfz/h
- Römerstraße 513 – 566 Kfz/h
- Eltinger Straße Süd 667 – 743 Kfz/h
Anwendungsbereich über 750 Kfz/h Buskap wird nicht empfohlen
- Eltinger Straße Nord 585 – 892 Kfz/h
- Grabenstraße 736 – 887 Kfz/h
Beispiel Römerstraße
Am Beispiel der Römerstraße wird in der Visualisierung deutlich, wie hoch der Platzbedarf einer Busbucht ist, und wie im Vergleich der Platz für einen durchgängigen Gehweg und komfortable Warteflächen genutzt werden könnte.
Im Bestand beträgt der Gehweg 2 Meter. Auf diesem müssen zusätzlich die Warteeinrichtungen der Haltestelle und die wartenden Fahrgäste untergebracht werden. Eine Situation, die sowohl für Wartende als auch passierende Fußgänger eine unattraktive und unangenehme Engstelle erzeugt. Ein barrierefreies Begegnen von Rollatoren, Rollstühlen oder Kinderwägen ist nicht möglich.
In der Planung kann der Gehweg auf 2,5 Meter Regelmaß verbreitert werden. Die Warteeinrichtung können zum neuen Fahrbahnrand vorgezogen werden und behindern nicht mehr den Gehweg. Dadurch ist ein barrierefreies Begegnen von Rollatoren, Rollstühlen oder Kinderwägen möglich.
Abbildung 3: Römerstraße, Bestand, mit Busbucht
Abbildung 4: Römerstraße, Planung, mit Buskap
