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Kenntnisnahme ohne finanzielle Auswirkungen - 2021/183

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

 

 

Sachverhalt mit der Stellungnahme der Verwaltung

 

Der Gemeinderat hat am 07.05.2019 beschlossen, dass die Stadt Leonberg in Kooperation mit der Samariterstiftung einen Förderantrag „Quartiersimpulse“ beim Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg, vertreten durch die Allianz für Beteiligung, stellt bezogen auf das Quartier Leonberg-Mitte. Ziel ist es mithilfe der Fördermittel die Bedarfe und Interessenslagen für Leonberg-Mitte zu klären sowie Erkenntnisse aus dieser Quartiersarbeit für den weiteren Aufbau der Quartiersarbeit in Leonberg zu erarbeiten.

 

Ein ausführlicher Zwischenbericht findet sich in Anlage 1.

 

 

  1. Ist-Situation und künftige gesellschaftliche Entwicklungen (siehe Anlage 1, S. 2)

 

  1. Demografischer Wandel bei gleichzeitiger Verschärfung des Pflegenotstands

Die Folgen des demografischen Wandels für die Pflege sind heute schon heute spürbar, in den kommenden Jahren werden die Herausforderungen steigen.

 

  1. Erhöhung von Vielfalt und Digitalisierung

Unterschiedlichste Lebens- und Berufsbiografien, zunehmende Singularisierung, veränderte Generationenbeziehungen, drohende Exklusion von Älteren ohne digitalen Kenntnisse, die erste Senior*innengeneration mit Migrationshintergrund u. a. prägen heute die Vielfalt im Alter.

 

  1. Ressourcen die Generation künftiger Senior*innen

Die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer (*1955 bis 1964) weisen eine signifikante Erhöhung der durchschnittlichen Bildungsabschlüsse im Vergleich zu früheren Gererationen auf. Sie fühlen sich länger »jung« und sind engagementbereit, aber unter selbst gewählten Bedingungen. Aktuelle Rückmeldungen sozialer Institutionen zeigen, dass nach der coronabedingten Pause im Ehrenamt nur ein Teil der Engagierten zurückkehren wird. Gefragt werden „Wiedereinstiegsszenarien“ für Engagementwillige.

 

Die Quartiersarbeit hat einen kleinräumigen, vernetzenden, bürgernahen Ansatz und kann Teilantworten zu den beschriebenen Entwicklungen geben.

 

 

II. Bisherige Projektdurchführung (Anlage 1, S. 3 - 11)

 

  1. Erfahrungen und Know-How aller Institutionen im Quartier nutzen

-             Kennenlernen der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteure im Quartier,

-             Sichtweisen und Bedarfe der Akteure im Quartier zu Fragen des guten Älterwerdens und der Generationengerechtigkeit erheben,

-             Synergien finden,

-             Zusammenarbeit über Projekt-Kooperationen.

 

  1. Die Bürger*innen im Quartier als Experten für gemeinsames Älterwerden in ihrem Nahraum/Wohnumfeld beteiligen

-          Repräsentativ angelegte schriftliche Bürgerbefragung im Quartier.

-          Auftaktveranstaltung im Quartier mit Bürgerforum und Bürgerwerkstätten.

-          Gewinnung von bürgerschaftlich Engagierten.

-          Aufbauend auf den Bedarfen coronakonforme (Mikro-)Projekte gemeinsam mit den Bürger*innen entwickelt und getestet.

-          Eigeninitiative und Selbsthilfekräfte in Projekten mobilisiert und gefördert.

 

  1. Bürger*innen und Institutionen

-          Bürger*innen-Quartiersprojekte werden in Kooperation mit Trägern durchgeführt.

-          Zum Abschluss des Förderzeitraums soll ein Markt der Möglichkeiten stattfinden, bei dem sich alle Institutionen und Projektgruppen den Quartiersbürger*innen vorstellen.

 

 

  1. Handlungsempfehlungen (Anlage 1, S. 12 – 13)

 

-          Koordinierte Zusammenarbeit:

Die Kleinräumigkeit wird von den Bürger*innen wie den Institutionen gut angenommen: Gerade der soziale Nahraum entscheidet mit zunehmendem Alter über Wohn- und Lebensqualität. Die Quartiersarbeit stärkt mit positiven Impulsen auch die Institutionen, die für die Gesamtstadt zuständig sind, Stichwort „voneinander Lernen“. Dieser Prozess kann vom Quartiersmanagement weiter gesteuert werden. In verzahnter Zusammenarbeit kann eine angemessene Qualifizierung und Betreuung von freiwillig Engagierten gesichert werden.

 

-            Bürger beteiligen/Orientierung am Bedarf:

Menschen stehen im Mittelpunkt und sind Experten für ihr Leben und ihr Wohnumfeld. Beteiligung stärkt die Selbstwirksamkeit und ist die Grundlage für eine bedarfsgerechte, tragende soziale Infrastruktur. Quartiersarbeit verankert die Bürgerbeteiligung strukturell zum regelmäßigen Instrument. Durch geeignete Beteiligungsformen werden auch stille Bürger*innen und (teil-)eingeschränkte Bürger*innen einbezogen. Die Bürgerresonanzen werden in Politik und Verwaltung rückgekoppelt.

 

-       Quartiersmanagement steht für Ressourcenmanagement

Gerade die geburtenstarken Jahrgänge der „Generation Babyboomer“ (*1955 – 1964) bieten ein großes Potential für freiwilliges Engagement. Ehrenamtliche bringen vielfältige Ressourcen, welche Quartiersmanagement gewinnen kann. Bürger-schaftliches Engagement ist kein Selbstläufer in Quartieren, die nicht abgeschlossen und lange Zeit gemeinsam gewachsen sind, von deutlicher Vielfalt im Alter geprägt sind und so keine eindeutig (gefühlte) Quartiersidentität aufgebaut haben.
 

-       Beim Wiedereinstieg nach Corona wichtige Unterstützung für das bürger-schaftliche Engagement geben

Da Rückmeldungen von engagierten Bürger*innen und von Institutionen derzeit aufzeigen, dass durch die coronabedingte Pause nicht alle Engagierten ihr Ehrenamt fortsetzen werden, braucht es ein hauptamtlich gestütztes „Wiedereinstiegs-Szenario“. Das Ermöglichen und die Förderung von Begegnung und Vernetzung von Nachbar*innen untereinander (z. B. durch themenspezifische Angebote, Feste, etc.) ist Teil dieses Szenarios.

 

-          Ressourcen verlässlich stärken

Die Fortführung der Bürgerprojekte und deren quantitativer Ausbau ist kein Selbstläufer, sondern braucht den hauptamtlichen „Kümmerer“. Beteiligung und Engagement für eine sich kümmernde Nachbarschaft und den Aufbau lokaler Netzwerke wird wertschätzend unterstützt und begleitet. Durch diese präventive Förderung kann langanhaltende Selbstständigkeit im eigenen Zuhause unterstützt und stationäre Pflege deutlich zeitlich ins noch höhere Alter verschoben werden.

 

-       Engagement durch Qualifizierung stärken

Hauptamtliches Quartiersmanagement kann, verzahnt mit den bestehenden Institutionen, eine angemessene Qualifizierung und Betreuung von freiwillig Engagierten sichern. Dies ist v .a. wichtig bei der Gewinnung von bürgerschaftlich Engagierten, die Hilfedienste in Ergänzung z. B. der Sozialstation übernehmen können (Unterstützung bei Gängen zum Arzt, Hilfe beim Einkaufen, Betreuung Zuhause, Besuchsdienst in Pflege-Einrichtungen, usw.).

 

-       Niemand zurücklassen – Ausgrenzung vermeiden

Bestehende Angebote erreichen noch zu wenig ihre möglichen Nutzer*innen, weil Hochaltrige und Menschen mit geringerem Bildungsniveau ein wenig ausgeprägtes Hilfesuchverhalten aufweisen. Unterstützungssysteme können viel zu spät ansetzen. Quartierskoordinator*innen können aufsuchende Besuche übernehmen oder für diese schulen. 75+ Jährige erhalten einen aufsuchenden präventiven Besuch zu Hause. So werden viele ältere Menschen, unabhängig von deren Eigeninitiative und wirtschaftlichen Verhältnissen erreicht.

 

-       Ehrenamts-Profi-Mix zur Entlastung der Pflege

Quartiersmanagement kann einen professionellen Aufbau und Förderung von Unterstützungsstrukturen in Quartieren initiieren und begleiten. Es gilt einen Ehrenamts-Profi-Mix zu etablieren, der Senior*innen unterstützt beim Ziel der langen Selbstständigkeit in und Teilhabe an der Gesellschaft.

 

 

  1.  Entwicklungsperspektiven zur Zukunft der Quartiersarbeit und 
    Finanzierungsbedarf

 

Szenario 1: Auslaufen der Quartiersarbeit am Ende des Projektzeitraums

 

Mit dem Ende des Landes-Förderprojekts Quartiersimpulse Leonberg endet die Quartiersarbeit in Leonberg. Der konzeptionelle Ansatz der Quartiersarbeit wird nicht weiterverfolgt und somit nicht in die Förderung der Stadt Leonberg aufgenommen. Die bisher entstandenen Kleingruppen können in Eigenregie fortbestehen. Falls es noch freie Raumkapazitäten im Bürgerzentrum Stadtmitte gibt, können diese kostenfrei genutzt werden.

 

Szenario 2: Umsetzung eines Konzepts zur hauptamtlichen Quartiersmanagement
 

Bei den Konzepten zur Quartiersarbeit handelt es sich grundsätzlich um zusätzliche, freiwillige Leistungen der Städte und Gemeinden. Um weiterhin verlässliche Quartiersarbeit in Leonbergs Mitte leisten zu können wären dauerhaft hauptamtliche Personalressourcen erforderlich. Erfahrungen aus anderen Städten in Baden-Württemberg, die das Konzept längerfristig umsetzen, zeigen ein Verhältnis auf von zirka 10.000 Einwohner zu einer 50 %-Stelle.

Das Kuratorium Deutsche Altenhilfe hat allgemein für Quartiersarbeit eine Modellrechnung erstellt, wonach die Personalkosten der jeweiligen Anstellungsträger von der Kommune getragen werden, die Sachkosten vom Träger und ein Verfügungsfond über Drittmittelakquise durch den Träger eingebracht werden.

Am Beispiel des laufenden Projekts aufgezeigt würde dies bedeuten:

 

-          eine 50 %-Stelle: 30.000 bis 36.000 Euro (AG-Brutto je nach Stellenprofil lt. KGSt), Zuschussmittel im kommunalen Haushalt, Stelle angesiedelt bei einem Träger der Altenhilfe, Behindertenhilfe o. Ä.

-          Sachkosten (Miete, Büromaterial, IT-Ausstattung, Reisekosten, Fortbildung): 5.000 bis 9.700 Euro – Kosten übernimmt der Träger

-          Verfügungsfond (Sachkosten für Veranstaltungen, Engagement-Tätigkeit, Öffentlichkeitsarbeit): 5.000 bis 10.000 Euro – Kosten wirbt der Träger über Drittmittel ein.

 

Mögliche Drittmittel sind v.a. Landesmittel über die Förderaufrufe der Allianz für Beteiligung, Mittel abrechenbar über die Pflegekassen nach SGB XI, §45c und §45 d (u.a. sind Präsenz-Besuche abrechenbar), Wettbewerbsteilnahmen z.B. bei der BASOG-Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenorganisationen)

 

Eine bedarfsgerechte Berechnung künftiger hauptamtlicher Stellenanteile für Quartiersarbeit könnte bei einer Größenordnung von 10.000 EW auf 50 % Stellenanteile wie folgt aussehen:

 

Leonberg  13.800 Einwohner (EW): 70 % Stellenanteile

Eltingen:  14.000 EW:    100 % Stellenanteile für

Ramtel:  6.500 EW:   Eltingen und Ramtel zusammen  

Silberberg:   1.000 EW:  - *                                                           

Gebersheim:   2.500 EW: - *                                                           

Höfingen:   7.000 EW:   30 % Stellenanteile                                        

Warmbronn:    4.500 EW:                            - *                                                           

* In den Ortsteilen Gebersheim, Silberberg und Warmbronn sind aufgrund ihrer Größe lebendige Nachbarschaften vorhanden, die durch stabile ehrenamtliche Strukturen getragen werden, v.a. durch Vereine wie den Sportverein SV Gebersheim, den Förderverein Bauernhausmuseum, den genossenschaftlich getragenen GebersLandmarkt, den Bürgerverein Silberberg, die Spvgg Warmbronn, den Bürgerverein Warmbronn sowie die Bürgerstiftung Warmbronn. Die Stadtverwaltung könnte ergänzend in diesen Ortsteilen jährliche Bürgerforen etablieren.

 

 

Über die Zukunft eines endgültigen Konzepts für Quartiersarbeit in Leonberg muss ggf. am Ende des Projektzeitraums in einer gesonderten Vorlage beraten und entschieden werden.

 

 

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Anlagen

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