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Beschlussvorschlag und Kenntnisnahme - 2020/364

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

  1.      Vom Gutachten des Historikers Dr. Peter Poguntke zur NS-Belastung von August Lämmle wird Kenntnis genommen.
     
  2.      Der Empfehlung des Gutachtens, die August-Lämmle-Schule umzubenennen, wird gefolgt.
  3.      Die Ehrenbürgerschaft August Lämmles wird aberkannt.
  4.      Es sind Erläuterungstafeln im August-Lämmle-Weg aufzustellen, die auf geeignete Weise die Verstrickung Lämmles in den Nationalsozialismus beschreiben.

 

 

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Sachverhalt

Sachverhalt mit der Stellungnahme der Verwaltung

 

Seit dem Vortrag von Conny Renkl „Die zwei Gesichter des August Lämmle“, gehalten im Jahr 2005 in der Volkshochschule, wird immer wieder einmal der Namen der Schule und der Straße im Ramtel sowie die Ehrenbürgerschaft Lämmles in Frage gestellt, treibende Kraft war der Bund der Antifaschisten. 2010 wurde der Vortrag in einer Broschüre veröffentlicht. In der Folge nahmen sich Mitglieder der KZ-Gedenkstätteninitiative dieses Anliegens an. Der Vortrag von Dieter Rebstock im November 2019 im BücherCafé der KZ-Gedenkstätteninitiative veranlasste den Vorstand der Initiative am 10.11.2019 zu einem offenen Brief an Herrn Oberbürgermeister Cohn. Im Namen aller Zuhörer*innen wurde das Stadtoberhaupt gebeten, „die Ehrenbürgerschaft Lämmles und die Ehrung als Namensgeber der Leonberger Gemeinschaftsschule“ überprüfen zu lassen.

 

Durch Beschluss des Ältestenrats vom 16.3.2020 wurde der Historiker Dr. Peter Poguntke mit einem Gutachten über August Lämmles Beziehung zum Dritten Reich beauftragt. Die coronabedingte Schließung von Archiven und Bibliotheken verzögerte die Arbeit. Das Gutachten liegt seit dem 15.10.2020 vor (Anlage). Im Fazit (S. 22-23) macht Dr. Poguntke deutlich, dass Lämmle als Namensgeber einer Schule nicht geeignet ist, „da von Namensgebern öffentlicher Einrichtungen Vorbildcharakter in besonderer Weise erwartet werden muss.“

 

Die Verwaltung folgt bezüglich der Schule der Einschätzung von Dr. Poguntke. Bisher waren Verwaltung und Schule der Meinung gewesen, dass das Verhalten des Namensgebers in der NS-Zeit die Schüler zur kritischen Auseinandersetzung mit Person und Zeit anregt. Das vorliegende Gutachten zeigt allerdings eine größere Verstrickung Lämmles in die NS-Ideologie auf, sodass sein Name als Schulname nicht mehr tragbar ist.

 

Der Schulleiter der August-Lämmle-Schule begrüßt, dass ein Gutachten in Auftrag gegeben worden ist. Ein Gemeinderatsbeschluss zur Namensänderung der Schule würde in der Schulkonferenz im Dezember behandelt werden. Die Entscheidung über den Schulnamen liegt beim Schulträger. Die Schule kann um eine Stellungnahme gebeten werden. Nach § 47 des Schulgesetzes entscheidet die Schulkonferenz über die Stellungnahme der Schule gegenüber dem Schulträger zur Namensgebung der Schule.

 

Dr. Poguntke sieht die Ehrenbürgerschaft unproblematischer an, weil sie rein formal mit dem Tode endet. Er merkt aber kritisch an, dass Lämmles Namen trotzdem noch in der Ehrenbürgerliste geführt wird. Dies ist heute auch aus Sicht der Verwaltung kritisch.

Lämmles Rolle in der NS-Zeit ist zwar in keiner Weise vergleichbar mit der des anderen historisch belasteten Ehrenbürgers, der württembergische NS-Innenminister und frühe Nationalsozialist Dr. Jonathan Schmid, der mit Gemeinderatsbeschluss vom 22.7.1997 aus der Liste der Leonberger Ehrenbürger gestrichen wurde. Dennoch machen es die zahlreichen den NS-Staat und den Führer verherrlichenden Artikel und Veröffentlichungen Lämmles schwer, ihn auf der Liste der Ehrenbürger zu belassen. Die Verwaltung schlägt daher eine Aberkennung vor. Somit würde der Name durchgestrichen auf der Liste verbleiben, mit dem Vermerk, dass aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses die Ehrenbürgerschaft aberkannt wird. Somit bleibt die Möglichkeit zur kritischen Erinnerung erhalten. 

 

Beim Straßennamen stellt Dr. Poguntke die Beibehaltung in Frage. Gleichwohl sind Straßennamen Teil der Stadtgeschichte und als solche auch dazu geeignet, als steter Stachel an die NS-Zeit zu erinnern und die Auseinandersetzung mit ihr anzuregen.

August Lämmle sollte nicht einfach aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Die Verwaltung schlägt daher die Aufstellung von Erläuterungstafeln vor, welche auf geeignete Weise die Verstrickung Lämmles in den Nationalsozialismus beschreiben.

Auch in Warmbronn gibt es eine Lämmlestraße. Es empfiehlt sich, dort in gleicher Weise zu verfahren. 

 

 

 

 

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Finanz. Auswirkung

JA

x

 

NEIN

 

 

Die finanziellen Auswirkungen können aktuell noch nicht beziffert werden. Kosten entstehen u.a. für eine neue Ausschilderung der Schule am Gebäude und auf den Zufahrtsstraßen sowie für die zusätzlichen Erläuterungstafeln im August-Lämmle-Weg.

 

 

 

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Anlagen

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