Stadtführungen im April

Nach dem Start in die neue Stadtführungssaison 2025 am 1. März, bietet das Stadtmarketing auch im April ein vielfältiges Angebot. An vier Wochenenden können Interessierte Leonberg etwa bei einer Fackel- oder zwei Kostümführungen entdecken. 

„die taffel hält gedächtnis hier“ – Historische Grabstätten auf dem Friedhof Seestraße 

Am Sonntag, 6. April, um 11.15 Uhr, bieten Christina Ossowski und Bernadette Gramm einen Rundgang über den Alten Friedhof von Leonberg an. Sie zeigen eine Auswahl denkmalgeschützter Grabmäler von der Spätrenaissance bis in die Gründerzeit, von 1600 bis zum Ersten Weltkrieg. Darunter sind mehrere Kindergrabmäler, etwa eins mit zahlreichen Ornamenten und kleinen Vögeln besetztes aus dem Jahre 1698 von der Familie Beutelspacher. Die frühere hohe Sterberate bei Kindern ist auch auf dem Friedhof ablesbar. Auch Ehrengräber werden bei der Führung vorgestellt – beispielsweise das mit einer Eisenkette umgebene des tatkräftigen Stadtschultheißen Häcker aus dem Jahr 1888. Ihm verdankten die Leonberger den Bau der Wasserleitung, die beim Stadtbrand 1895 die Stadt vor völliger Zerstörung bewahrte.

Treffpunkt ist um 11.15 Uhr am Haupteingang zum Alten Friedhof, neben der Seestraße 11. Die Teilnahmegebühr beträgt 8 Euro. Personen unter 16 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

„und wenn man ihr auch eine Ader nach der anderen aus dem Leib herausziehen sollte“ – Kostümführung mit Gudrun Sach als Katharina Kepler

Am Sonntag, 13. April, sucht die pensionierte Geschichtslehrerin Gudrun Sach als „Katharina Kepler“ in der Leonberger Altstadt die Plätze auf, die ihr Leben prägten. Häuser in denen sie wohnte, die Stadtkirche mit den Bildnissen ihrer Zeitgenossen sowie das Forsthaus. Und natürlich auch die Orte, in denen der berüchtigte Vogt Lutherus Einhorn residierte.
Gudrun Sach beantwortet unter anderem, wie es sich als selbstbewusste Frau angefühlt hat, plötzlich als Hexe angeklagt zu werden oder was die Leonberger Bürgerschaft dazu gebracht hat, sich einfach so ein Opfer auszusuchen. 

Treffpunkt zur Führung ist um 11.15 Uhr am Brunnen auf dem Marktplatz. Die Teilnahme kostet pro Person 6 Euro, Personen unter 16 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Auf den Spuren des KZ Leonberg – Führung mit der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e.V.

Bei der Führung am Ostermontag, 21. April, berichtet ein Mitglied der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e.V. entlang verschiedener Stationen des Gedenkpfades von den Lebens- und Arbeitsbedingungen der KZ-Häftlinge. Im zweiten Teil der Führung wird die Dokumentationsstätte im alten Engelbergtunnel vorgestellt.
In Leonberg gab es vom Frühjahr 1944 bis zum April 1945 ein von der SS geführtes Konzentrationslager. Es war ein Außenlager des KZ Natzweiler im Elsass. Häftlinge aus mehr als 23 europäischen Ländern arbeiteten für die Firma Messerschmitt – zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die Firma hatte die Produktion der Tragflächen für den Düsenjäger ME 262 in den bombensicheren Autobahntunnel verlagert. Das Lager selbst befand sich am Ende der Seestraße.
Viele Häftlinge hatten bei Ankunft in Leonberg bereits eine Odyssee durch eine Vielzahl von Konzentrationslagern hinter sich. An sie erinnert seit dem 8. Mai 2005 eine Gedenkwand mit fast 3000 Häftlingsnamen vor dem alten Engelbergtunnel.

Treffpunkt ist um 14 Uhr beim Alten Friedhof in der Seestraße an der Tafel 1 des „Weges der Erinnerung“. Die Führung dauert insgesamt etwa 2 bis 2,5 Stunden. Die Teilnahme ist kostenlos. Spenden für die KZ-Gedenkstätte werden gerne angenommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Licht und Schatten: Mit Fackeln durch die dunklen Altstadtgassen

Am Samstag, 26. April, 20.30 Uhr, zeigt Lokalhistoriker Gerd Jenner wie unsere Vorfahren nachts gelebt haben. Tagsüber waren – und sind – die Leonberger schaffige und erfindungsreiche Menschen, die immer gerne etwas Neues wagen. Und nachts? Es lohnt sich, die dunklen Seiten im alten Leonberg etwas aufzuhellen. Mit Fackeln gehen die Teilnehmenden den dunklen Geheimnissen nach. Wovor hatten unsere Vorfahren Angst, wenn die Sonne untergegangen war? Spuk- und Räubergeschichten soll es geben und auch sonst könnte nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Aber auch von Gartenparties, Liebesschwüren und Geniestreichen erzählt Gerd Jenner. Von vielbeschäftigten Nachtwächtern, Kerkerstrafen und Alkoholmissbrauch. Leonberg ist vielseitig, war es schon früher. Ein gemeinsames Getränk rundet den Abend ab. 

Die Fackelführung findet ab zehn Personen und mit maximal 30 Personen statt, daher ist eine Anmeldung erforderlich. Anmeldeschluss ist am Freitag, 25. April, 12 Uhr. Die Führung findet auch bei schlechtem Wetter statt. Wenn es zu stark regnet oder stürmt, kommen Taschenlampen zum Einsatz, die gerne mitgebracht werden können. Treffpunkt ist am Brunnen auf dem Marktplatz. Tickets sind für 16 Euro (inklusive Getränk) am i-Punkt erhältlich. 

„Frau Wittib zu Lewenberg“ empfängt – Kostümführung mit Herzogin Sibylla

Herzogin Sibylla (1564-1614) empfängt am Sonntag, 27. April, die Teilnehmenden auf ihrem Witwensitz in Leonberg. Nach dem Tod ihres Ehemanns Herzog Friedrich I. im Jahre 1608  st sie von Stuttgart hierhergezogen.
Auf einem gemeinsamen Spaziergang durch die ehemalige Schlossanlage zeigt sie stolz die Neuerungen, wie den Übergang zur Kirche oder den hochmodernen Lustgarten von Baumeister Schickhardt.
Nebenbei erzählt die fünfzehnfache Mutter aus ihrem Leben in Mömpelgard und Stuttgart und von ihrer nicht immer konfliktfreien Ehe mit Herzog Friedrich.
Sie gibt auch einen Einblick in ihren Leonberger Alltag. Die Herrin des Witwensitzes hat sich um vieles zu kümmern, vom Haushalt bis zum Amtsgeschäft. Ihre Ernennung des Vogts Einhorn wird sich als unheilvoll für die Leonberger Frauen herausstellen, er erweist sich als „eifriger“ Hexenverfolger. Erholung findet die Herzogin in der Beschäftigung mit den Pflanzen, die sie mit ihrer Hofapothekerin zu Arzneien verarbeitet. 

Treffpunkt ist um 11.15 Uhr auf dem Schlosshof vor dem Finanzamt. Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person 6 Euro. Personen unter 16 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Weiterführende Informationen 

Die Führungen dauern, wenn nicht anders angegeben, rund eineinhalb Stunden und werden vom Stadtmarketing der Stadt Leonberg veranstaltet. Kartenreservierungen beziehungsweise ein Ticketkauf vorab ist bei allen Sonderführungen wie etwa Kostüm-, Fackel- und kulinarischen Führungen notwendig.
Ein Stadtführungs-Flyer liegt im i-Punkt in der Graf-Eberhard-Straße 2/1 sowie bei vielen Einrichtungen in der Stadt aus und ist auf der städtischen Webseite unter www.leonberg.de/Stadtführungen abrufbar. Der i-Punkt am neuen Standort ist dienstags und mittwochs von 10 bis 15 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr sowie freitags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Weitere Auskünfte erhalten Interessierte beim Stadtmarketing unter 07152 990-1407 oder per E-Mail an stadtmarketing@leonberg.de.

28.03.2025