Stara Lebenshilfe: Lieder, Fragen und ein Oberbürgermeister im Abschlusskreis
Bei der Stadtranderholung der Lebenshilfe Leonberg e.V. (Stara) erleben 26 Kinder und Jugendliche mit Behinderung zwei abwechslungsreiche Ferienwochen – mit Ausflügen, Spielen und viel Musik. Oberbürgermeister Tobias Degode war beim Abschlusskreis dabei.
Im Gebäude der Lebenshilfe im Ramtel ist an diesem Nachmittag viel Bewegung. Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 19 Jahren und Betreuungskräfte zwischen 14 und 71 Jahren finden sich in einem Stuhlkreis zusammen. Mehr als 40 Menschen bilden den Kreis. 26 Kinder nehmen in diesem Jahr an der Ferienbetreuung teil. Begleitet werden sie von Betreuungskräften. Davon sind drei Mitarbeitende bei der Lebenshilfe angestellt, die übrigen Betreuerinnen und Betreuer engagieren sich ehrenamtlich. Mittendrin sitzt an diesem Tag auch Oberbürgermeister Tobias Degode.
Die Stadtranderholung dauert zweimal eine Woche. Viele Kinder sind die gesamte Zeit dabei. Der Tag beginnt um 9 Uhr und endet mit dem Abschlusskreis gegen 16.30 Uhr. Dazwischen gibt es ein abwechslungsreiches Programm: Ausflüge und viele Gelegenheiten zum Spielen und Basteln.
Vier Gruppen, viele Erlebnisse
Die Kinder sind in die Gruppen Rot, Gelb, Grün und Blau eingeteilt. In ihren Gruppen bleiben sie während der Ferienwoche zusammen. Jede Gruppe erlebt ihr eigenes Programm.
Die rote Gruppe war an diesem Tag im Museum. Dort erfuhren die Kinder, wie die Römer ihre Fußbodenheizungen betrieben. Die gelbe Gruppe besuchte die Wilhelma. Im Abschlusskreis erzählten die Kinder von Elefanten, Löwen und Pinguinen. Die grüne Gruppe war im Wildpark in Pforzheim. Das erste Tier, das einem Kind dazu einfiel, war eine Kuh. Die blaue Gruppe besuchte das Naturkundemuseum in Stuttgart. „Schön“, fasste ein Kind den Tag zusammen.
Auch wenn die Gruppen unterwegs sind, bleibt der Ablauf vertraut. Am Morgen gibt es einen Morgenkreis. Dort erfahren die Kinder, was an diesem Tag geplant und wichtig ist. Am Nachmittag treffen sich alle wieder zum Abschlusskreis.
„Atemlos“ und „Major Tom“
Der Abschlusskreis beginnt mit einem Lied. Welches gesungen wird, dürfen die Kinder selbst entscheiden. An diesem Tag fällt die Wahl zunächst auf „Atemlos“ von Helene Fischer. Friederike Lux, Koordinatorin für die Ferientagesbetreuung, begleitet den Gesang auf der Gitarre. Alle stimmen ein. Zwei Jungen liegen sich in den Armen und schunkeln gemeinsam zur Musik.
Dann fragt Teresa Eisenhardt, die Leiterin der Stadtranderholung: „Habt ihr gesehen, dass heute jemand in unserer Runde sitzt, der sonst nicht hier sitzt?“ Ein Kind weiß sofort Bescheid: „Das ist unser Oberbürgermeister, Herr Degode.“
Natürlich wollen die Kinder wissen, was ein Oberbürgermeister eigentlich arbeitet. Auf die Frage antwortet OB Tobias Degode zunächst mit einem Lächeln: „Eigentlich sitze ich nur in Besprechungen und trinke Kaffee.“ Gleich danach erklärt er, was wirklich dahintersteckt: Er sorgt dafür, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung ihre Aufgaben erledigen können. Dabei betont er, dass er das nicht allein schafft. Dafür brauche er seine Kolleginnen und Kollegen – und unterstütze sie bei ihrer Arbeit.
Ein weiteres Kind möchte wissen, warum er Oberbürgermeister werden wollte. Der Oberbürgermeister erzählt, dass er während seiner Arbeit in der Verwaltung gemerkt habe, wie viele Dinge man dort gestalten könne. Als Oberbürgermeister könne er an der Entwicklung einer ganzen Stadt mitwirken. Das habe ihn an der Aufgabe besonders gereizt.
Auch eine praktische Frage kommt auf den Tisch: Was passiert eigentlich mit den Strafzetteln, die in Leonberg verteilt werden? Der Oberbürgermeister antwortet augenzwinkernd: „Davon bezahlen wir zum Beispiel unsere Kindergärten hier in Leonberg.“
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Schon wartet der nächste Liedwunsch: „Major Tom“.
Verlässliche Abläufe und viel Raum für Spaß
Das Abschlusslied ist jeden Tag dasselbe. Dabei wird gemeinsam geklatscht, gestampft, geschnipst und getanzt Die Kinder kennen den Ablauf – und machen begeistert mit.
Die festen Strukturen geben Orientierung. Gleichzeitig bleibt genug Raum für Abwechslung. Wenn kein Ausflug auf dem Programm steht, können die Kinder im Spielekeller ins Bällebad gehen. Bei warmem Wetter gibt es Wasserspiele oder eine Wasserschlacht. In diesem Jahr sind außerdem Perlenarmbänder besonders beliebt. Es wird gebastelt, gespielt und ausprobiert.
Das Programm planen die Betreuungskräfte selbst. Schon im Frühjahr werden die ersten Ausflüge gebucht, damit in den Sommerferien alles vorbereitet ist. Gibt es ein Angebot in der Einrichtung, werden die Kinder von einem Catering versorgt. Bei Ausflügen essen sie unterwegs. Ein Kind berichtet an diesem Tag von einem Besuch bei McDonald’s, im Tierpark gab es Pizza.
Mit dem Abschlusskreis endet dieser Tag in der Stara der Lebenshilfe. Die Kinder werden abgeholt, das Team räumt auf und organisiert den nächsten Tag: Erlebnisse, von denen die Kinder am nächsten Nachmittag wieder erzählen können.