Stadt übernimmt Verantwortung für den Gesundheitsstandort: Grundversorgungszentrum als Ziel

Das Gutachten des Institute for Health Care Business Essen (hcb) bestätigt, dass eine verlässliche, wohnortnahe medizinische Versorgung für die Große Kreisstadt und das Mittelzentrum Leonberg wichtig ist. Zugleich zeigt es, dass das Krankenhaus in seiner bisherigen Form als Grund- und Regelversorger mit Basisnotfallversorgung unter den veränderten Rahmenbedingungen neu aufgestellt werden muss. Die Stadt nimmt das Ergebnis als Auftrag, den Gesundheitsstandort aktiv zu gestalten: Sie setzt sich dafür ein, das Krankenhaus zu einem Grundversorgungszentrum weiterzuentwickeln, das ambulante und stationäre Leistungen verzahnt, und bringt sich mit eigenen Angeboten in die Umsetzung ein. 

Gutachten: Neue Perspektive für den Standort Leonberg

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Wie sieht die Gesundheitsversorgung in Leonberg künftig aus?

Nach Einschätzung der hcb bietet die Fortführung des Krankenhauses in seiner bisherigen Form – als Grund- und Regelversorger mit Basisnotfallversorgung – trotz hoher Patientenbindung in Leonberg keine tragfähige Zukunftsperspektive. Die Gründe liegen vor allem in veränderten Rahmenbedingungen, die viele Krankenhäuser betreffen:

  • Krankenhausreform: Mit der Schwerpunktbildung und Zentralisierung steigen die Struktur- und Qualitätsvorgaben; die Zuteilung neuer Leistungsgruppen durch das Land ist für Leonberg nicht zu erwarten.
  • Ambulantisierung und Fachkräftemangel: Immer mehr bisher stationäre Leistungen werden ambulant erbracht, die Fallzahlen sinken, und Fachkräfte sind schwerer zu gewinnen und zu halten.
  • Wirtschaftliche Lage: Die Kosten des Standorts Leonberg steigen stärker als die Einnahmen. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht möglich, hohe Investitionen wären erforderlich.
  • Finanzierung: Ein Erhalt wäre nur mit einem jährlichen Verlustausgleich des Landkreises denkbar.
  • Notfallversorgung: Schwere Notfälle werden schon heute gezielt in spezialisierte Zentren gesteuert; die Notaufnahme in Leonberg versorgt überwiegend ambulante Fälle.

Zugleich zeigt das Gutachten Alternativen auf, mit denen die Gesundheitsversorgung am Standort wirtschaftlich erhalten und zukunftsfest weiterentwickelt werden kann. Die Stadt sieht darin eine Chance, die Versorgung vor Ort neu und tragfähig aufzustellen.

„Das Gutachten gibt uns eine fundierte Grundlage und zeigt: Die Versorgung vor Ort muss sich verändern, damit sie bleiben kann. Leonberg braucht eine verlässliche medizinische Versorgung. Dieses Ziel werden wir in Leonberg konsequent verfolgen“, betont Oberbürgermeister Tobias Degode. „Die Stadt übernimmt Verantwortung und geht voran. Den Landkreis laden wir ein, sich daran zu beteiligen. Wir sind überzeugt, dass sich eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für alle Seiten erreichen lässt.“ 

Ziel der Stadt: Verzahnung ambulant und stationär

Die hcb empfiehlt, die Umwandlung zu einem Grundversorgungszentrum in Form eines Neubaus vertieft zu prüfen. Dieses würde mit rund 40 bis 50 Betten stationäre Basisversorgung in Innerer Medizin und Geriatrie bieten und mit ambulanten Angeboten verzahnt. Die Stadt macht das Grundversorgungszentrum zu ihrem Ziel und treibt die Umsetzung aktiv voran. Dafür will sie:

  • das Grundversorgungszentrum aus städtebaulichen Gründen in die Innenstadt holen und dafür Flächen auf dem Bosch-Areal bereitstellen,
  • anbieten, sich über eine Gesellschaftsstruktur an der Umsetzung zu beteiligen,
  • ambulante Versorgungslücken schließen, etwa im hausärztlichen und kinderärztlichen Bereich, sowie die ambulante Notfallversorgung sicherstellen, beispielsweise über eine entsprechende Praxis. 

Verantwortung übernehmen, gemeinsam umsetzen

Die Stadt Leonberg ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Sie bietet dem Landkreis Gespräche an, wie die Umsetzung zu einem Grundversorgungszentrum stufenweise gelingen kann. Für eine lückenlose Versorgung zunächst am aktuellen Standort, bis der Umzug zum neuen Standort erfolgen kann. Die Stadt erwartet zudem Klarheit darüber, welche Leistungen am Standort Leonberg künftig erhalten bleiben. Sie fordert den Landkreis auf, auf Grundlage des Gutachtens und der Planung des Klinikverbunds den Gesundheitsstandort Leonberg langfristig zu sichern. Bis zum ersten Halbjahr 2027 soll ein verbindlicher Fahrplan zur Weiterentwicklung stehen.