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Kenntnisnahme ohne finanzielle Auswirkungen - 2024/214

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Sachverhalt

 

Sachverhalt mit der Stellungnahme der Verwaltung

 

Die kontinuierliche Beobachtung der Verkehrsentwicklung ist eine zentrale Aufgabe der integrierten Mobilitätsplanung. Eine besonders ergiebige Datengrundlage für die Analyse der Verkehrsbeziehungen innerhalb einer Stadt sowie der Verkehrsmittelwahl der Bevölkerung, stellen dabei sogenannte Modal-Split Erhebungen dar. Modal-Split Erhebungen erfassen das konkrete Mobilitätsverhalten von Menschen an bestimmten Stichtagen. Modal-Split Erhebungen werden als Haushaltsbefragungen konzipiert und folgen einem etablierten und damit vergleichbaren Verfahren. Dabei werden auf Basis einer Zufallsstichprobe eine repräsentative Anzahl an Haushalten zum Mobilitätsverhalten befragt. Der Modal-Split stellt den Anteil verschiedener Verkehrsmittel am Gesamtverkehr dar.

 

Dem Verkehrssektor kommt eine wichtige Rolle in Bezug auf Klimaschutzmaßnahmen zu. Die Verminderung von Treibhausgasen im Verkehrssektor, dessen Anteil am CO2-Aussstoß in Baden-Württemberg 33 % beträgt, ist durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, das Klimaschutz-Gesetz des Bundes sowie das Klimaschutz-Gesetz des Landes zur verpflichtenden Klimaschutzmaßnahme geworden. Das Land Baden-Württemberg strebt an bis zum Jahr 2030 die Emissionen im Verkehrssektor um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Um dies zu erreichen hat das Land folgende Vorgaben mit Bezug auf den Modal-Split definiert: Bis 2030 soll eine Verdopplung des öffentlichen Verkehrs erreicht sein, jedes zweite Auto klimaneutral fahren, ein Fünftel weniger Kfz-Verkehr in Stadt und Land unterwegs sein, jede zweite Tonne klimaneutral fahren sowie jeder zweite Weg selbstaktiv zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Die Modal-Split-Erhebung ermöglicht es den Ist-Zustand in Leonberg zu erfassen und zukünftig auch Entwicklungen in der Verkehrsmittelwahl über die Zeit zu erfassen. Die jüngsten vorhandenen Daten sind inzwischen über 25 Jahre alt und wurden in Vorbereitung des Verkehrsentwicklungsplanes 2000 erhoben. Aus diesem Grund hat das Referat für innovative Mobilität 2023 eine Modal-Split Erhebung in Auftrag gegeben.

 

Die Kosten der Haushaltsbefragung belaufen sich auf 49.152,95 € (brutto). Über das Programm Förderung qualifizierter Fachkonzepte nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) hat das Verkehrsministerium Baden-Württemberg über das Regierungspräsidium Stuttgart eine Festbetragsfinanzierung in Höhe von 24.600,00 € (brutto) bewilligt.

 

Die Erhebung wurde Mitte/Ende September 2023 durchgeführt, die zufällig ausgewählten Haushalte waren dabei aufgefordert für einen von vier Stichtagen ein detailliertes Mobilitätstagebuch anzufertigen. Bei den Stichtagen handelte es sich um Wochentage (Dienstag, Donnerstag) außerhalb der Schulferien. Die Erhebung wurde durch umfassende Öffentlichkeitsarbeit der Pressestelle der Stadt und des durchführenden Büros begleitet.

 

Kurzzusammenfassung: Erkenntnisse aus der Haushaltsbefragung

 

Hohe Repräsentativität der Befragung

 

An der Erhebung haben 4,9% der Leonberger Bevölkerung (2.422 Personen) teilgenommen, deutlich über dem Zielwert zum Erreichen repräsentativer Ergebnisse. Die Daten der Haushaltsbefragung haben eine entsprechend hinreichend genaue statistische Aussagekraft – auch kleinräumlich auf Ebene der Stadtteile bzw. Teilorte. Die hohe Bereitschaft der Bevölkerung den komplexen Fragebogen auszufüllen zeigt zum einen das Interesse der Bevölkerung an der Thematik und zum anderen, dass die begleitende Öffentlichkeitsarbeit über die verschiedenen Kanäle der Stadt erfolgreich war.

 

Modal-Split

 

  • 57% der Wege der Leonberger Bevölkerung erfolgen innerhalb der Stadt, 43% haben ein Ziel außerhalb.
  • Der MIV verfügt über einen hohen Anteil (57% Gesamtverkehr; 71% Verkehrsleistung; bereits 50% im Nahbereich Entfernungsklasse 1 km bis < 2,5 km bzw. 73% bei Wegen mit einer Länge zwischen 2,5 km und 5 km).
  • Im Vergleich mit anderen Städten der Region sowie überregionaler Erhebungen besteht in Leonberg ein höherer Radverkehrsanteil und ein niedrigerer Fußverkehrsanteil.
  • Arbeitswege werden vorrangig mit dem Pkw, Schul- und Ausbildungswege maßgeblich mit dem Umweltverbund zurückgelegt. Einkäufe und Erledigungen werden überdurchschnittlich häufig zu Fuß erledigt.
  • Die Daten zeigen ein hohes Potenzial zur Verlagerung vom MIV auf Verkehrsmittel des Umweltverbundes, insbesondere auf innerstädtischen Wegen bis 5 km. Mit Blick auf zukünftige Verkehrsmittelnutzung geben dabei die meisten der Befragten an, zu beabsichtigen, mehr Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen.

 

Bewertung der Verkehrsangebote

 

Der Fußverkehr wird am besten bewertet (Durchschnittsnote 2,38), Bus-, Bahn- und Autoverkehr erreichen ähnliche Noten (befriedigend, zwischen 2,97 und 3,15 im Durchschnitt. Der Radverkehr wird deutlich schlechter bewertet (Durchschnittsnote 3,77). Auffällig ist, dass die Bewertung des Radverkehrs in der repräsentativen Haushaltsbefragung ähnlich schlecht ausfällt wie in der zielgruppenbezogenen Befragung des ADFC-Fahrradklimatestes (Durchschnittsnote 4,1).

 

 

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Anlagen

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