Leonberg landet beim Fahrradklima-Test 2024 auf einem der letzten Plätze – Note 4,3

Die Stadt schneidet beim aktuellen Fahrradklima-Test 2024 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schlecht ab. In der bundesweiten Umfrage unter Radfahrenden zur Zufriedenheit mit der Radinfrastruktur erreicht Leonberg die Schulnote 4,3 – eine Bewertung, die erneut ein unbefriedigendes Zeugnis für die Radverkehrssituation in der Stadt ausstellt. Im baden-württembergischen Vergleich der Städte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnenden belegt Leonberg Platz 72 von 75 und gehört damit zu den Schlusslichtern in seiner Ortsgrößenklasse. 


Hohe Beteiligung – deutliches Signal

Erfreulich ist jedoch die hohe Beteiligung am Test: 256 Bürgerinnen und Bürger aus Leonberg haben mitgemacht. Das zeigt, wie wichtig vielen Menschen die Radverkehrsthemen sind – und dass sie sich mit Nachdruck eine Verbesserung der Situation vor Ort wünschen. "Gerade deshalb sollten die Ergebnisse ernst genommen werden", sagt Radverkehrskoordinator Johannes Bohle. 

Stärken: Leihfahrräder und Diebstahlschutz positiv bewertet

Im Vergleich zu ähnlich großen Kommunen punktet Leonberg in wenigen Teilbereichen:

  • Fahrradverleihsystem (Note 3,3)
  • Fahrradmitnahme im ÖPNV (3,8)
  • Wenig Fahrraddiebstahl (3,6)
  • Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (Leonberger Bestnote 3,0)

Diese positiven Ausnahmen zeigen, dass punktuelle Verbesserungen möglich sind – aber nicht ausreichen, um das Fahrradklima insgesamt zu heben. 

Schwächen: Sicherheitsgefühl, Komfort, Infrastruktur

Das zentrale Problem bleibt die unsichere, unkomfortable und unattraktive Radinfrastruktur. Besonders deutlich zeigen sich folgende Ergebnisse:

  • Fahrrad- und Verkehrsklima: 73 Prozent der Befragten empfinden das Radfahren in Leonberg als stressig (Note 4,4; deutschlandweiter Schnitt: 3,4). 75 % sagen, dass Radfahrende im Verkehr nicht ernst genommen werden (Note 4,4; Vergleichswert: 3,8).
  • Stellenwert des Radverkehrs: Note 4,8 in der Bewertung der Radverkehrsförderung – ein drastischer Rückschritt gegenüber 2022 (Note 3,8). 79 % kritisieren fahrradunfreundliche Ampelschaltungen (Note 4,8). 78 % berichten, dass Falschparken auf Radwegen kaum geahndet wird (Note 4,9).
  • Sicherheit: 84 % fühlen sich beim Radfahren gefährdet (Note 4,8). 85 % fühlen sich auf Radwegen nicht sicher und empfinden Fahrbahnfahrten als bedrängend (ebenfalls Note 4,8). 83 % berichten von häufigen Konflikten mit Autofahrenden.
  • Komfort & Infrastruktur: 89 % halten Radwege für zu schmal – Note 5,1, die schlechteste Einzelnote des gesamten Tests. 79 % bemängeln fehlende Führung an Baustellen (Note 4,8). Die Erreichbarkeit des Stadtzentrums wird mit 3,9 bewertet (Vergleichswert: 2,7). Zügige und direkte Wege erhalten nur die Note 4,1 (Vergleich: 3,1). 

Rückschritte in der Entwicklung

Seit dem ersten Fahrradklima-Test 2012 ist in Leonberg kaum eine spürbare Verbesserung erkennbar. Die Bewertungen bleiben in fast allen Kategorien konstant schlecht oder haben sich verschlechtert. Einzige Ausnahme: der Fahrradverleih. "Besonders enttäuschend ist der Rückfall bei der Bewertung der Radverkehrsförderung – ein Bereich, in dem sich die Leonberger Radelnden 2022 noch optimistischer gezeigt hatten", so Johannes Bohle. 

Was den Menschen wichtig ist

Die Umfrage macht auch deutlich, welche Aspekte den Leonbergerinnen und Leonbergern besonders wichtig sind:

  • Sicherheitsgefühl beim Radfahren
  • Hindernisfreie und breite Wege
  • Ernst genommen werden im Straßenverkehr
  • Direkte, stressfreie Verbindung zu wichtigen Zielen

"Der Fahrradklima-Test 2024 stellt Leonberg erneut ein schlechtes Zeugnis aus. Trotz punktueller Lichtblicke ist der Gesamteindruck ernüchternd – vor allem in Bezug auf Sicherheit, Infrastruktur und Wertschätzung des Radverkehrs. Die hohe Beteiligung belegt: Die Bürgerschaft erwartet Veränderungen", resümiert der Radverkehrskoordinator. Alle Ergebnisse des Fahrradklima-Tests sind unter ADFC-Fahrradklima-Test - Ergebnisse einsehbar.