Fast drei Jahrzehnte im Dienst der Stadt
Ein Rückblick auf die Amtszeit des langjährigen Tiefbauamtsleiters Roger Roth.
Am 1. April 1997 begann Roger Roth seine Tätigkeit bei der Stadt Leonberg.
Zunächst als Abteilungsleiter im Straßenbau, kurz darauf als Leiter des Tiefbauamts. In den folgenden fast drei Jahrzehnten gestaltete und prägte er die Stadt maßgeblich.
Zu Beginn seiner Zeit in Leonberg erlebte er zahlreiche personelle Wechsel, vor allem im Planungsamt und bei den Baubürgermeistern. Für das Tiefbauamt, das auf die Vorarbeit anderer Ämter angewiesen ist, bedeutete dies regelmäßig neue Denkweisen, Abstimmungen und Herangehensweisen. Trotz dieser Rahmenbedingungen etablierte sich Roger Roth fachlich und gewann Vertrauen – sowohl innerhalb der Verwaltung als auch im Gemeinderat. Als Bauingenieur mit Verwaltungserfahrung steuerte er Bauprojekte sachlich, konsequent und fundiert.
Große Projekte, große Herausforderungen
Ab den frühen 2000er-Jahren prägten zahlreiche große Infrastrukturmaßnahmen seine Arbeit. Als besonders prägend nannte Roger Roth die Südrandstraße mit ihren Brückenbauwerken, die Tunnelverlängerung sowie der Ausbau zentraler Verkehrsachsen wie der Stuttgarter Straße. Bei der Südrandstraße stellten schwierige Bodenverhältnisse in den Riedwiesen Planung und Bauausführung vor große Herausforderungen. Tiefgründungen, sich setzende Untergründe und erhebliche Mehrkosten mussten fachlich sauber dokumentiert und genehmigt werden.
Als eines der spannendsten Projekte seiner Laufbahn bezeichnet Roger Roth die Offenlegung der Glems zwischen Bauhof und Schweizermühle. Das zuvor unterirdisch verlaufende Gewässer wurde an die Oberfläche geholt, inklusive Kreisverkehr, neuer Verkehrsführung und Bauarbeiten unter laufendem Verkehr.
Auch in den Stadtteilen setzte er wichtige Akzente: der Neubau des Sportplatzes in Gebersheim, Erschließungsgebiete in Höfingen, die Ortsdurchfahrt Silberberg, der neue Friedhof in Warmbronn sowie zahlreiche Kanal- und Straßenbaumaßnahmen. Jedes Projekt brachte seine eigenen technische, organisatorischen und kommunikativen Anforderungen mit sich.
Wandel im Umgang mit Baustellen
Im Laufe der Jahre veränderte sich das Verhältnis zwischen Verwaltung, Bauausführung und Bürgerschaft deutlich. Stand früher vor allem ein zügiger Bauablauf im Fokus, hinterfragen Bürgerinnen und Bürger heute stärker Umsetzung und Auswirkungen von Maßnahmen. "Wenn ich heute eine Straße mit 50 Hausnummern baue, habe ich gefühlt 35 Bauleiter", fasst Roger Roth diese Entwicklung zusammen. Der steigende Informationsbedarf erfordert deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit.
Gute Erfahrungen machte das Tiefbauamt dort, wo frühzeitig und transparent informiert wurde – etwa bei der Grabenstraße, die 2014 bewusst voll gesperrt und intensiv begleitet wurde. Selbst eine spontane "Beach Party auf der Baustelle" trug zur Akzeptanz bei.
Verantwortung für das städtische Vermögen
Ein zentrales Leitmotiv seiner Arbeit war die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Straßen, Brücken, Spielplätze, Bäume, Kanäle und Sonderbauwerke verstand er als städtisches Vermögen, das erhalten werden muss. Früh erkannte er die Bedeutung klarer Kontrollen, Dokumentationen und Dienstanweisungen. Durch strukturierte Abläufe und eindeutige Zuständigkeiten ließ sich das Risiko für die Stadt deutlich reduzieren.
Teamarbeit und Führung
Großen Wert legte Roger Roth auf ein leistungsfähiges Team. Mitarbeitende diskutierten gemeinsam Themen, entwickelten Lösungen und gaben Erfahrungen weiter. Führung verstand er nicht als Kontrolle, sondern als gemeinsames Gestalten, stets mit dem Grundsatz: "Leonberg steht an erster Stelle."
Der Abschied fällt Roger Roth nicht leicht, besonders weil er seine Nachfolge nicht mehr persönlich begleiten kann. Gleichzeitig blickt er dankbar auf das gemeinsam Erreichte zurück. Privat warten neue Projekte: ein restaurierter Oldtimer, Treffen mit Gleichgesinnten, eine große Modelleisenbahn, mehr Sport und Zeit für die Familie.
Ganz verabschieden wird er sich von Leonberg jedoch nicht. Die Verbundenheit zur Stadt, zu Kolleginnen und Kollegen sowie zahlreiche persönliche Kontakte bleiben bestehen. Sicher ist eins: Sein Wirken im Tiefbau hat sichtbare Spuren im Stadtbild hinterlassen und das mit Wirkung weit über seine Amtszeit hinaus.