Tradition trifft Moderne: Die Geschichte des Leonberger Pferdemarkts

Zum 333. Mal feiern Leonbergerinnen und Leonberger von Freitag, 6. bis Dienstag, 10. Februar, ihr Traditionsfest, das moderne und historische Inhalte in sich vereint. Der Leonberger Pferdemarkt hat seit 1684 einen festen Platz im kulturellen Leben der Region. Doch wie kam es eigentlich zu dem Traditionsfest in der Engelbergstadt? 

Bild vergrößern: Geschichte vom Pferdemarkt 1914 Bild: © Stadtarchiv
1914 besucht Kronprinz Herzog Albrecht Leonberg.

Wirtschaftliche Herausforderungen in Leonberg

Die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges (1618-1648) waren im deutschen Südwesten noch überall zu spüren. Leonbergs ungünstige Lage abseits der großen Handelsstraßen hemmte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Deshalb spielte der Handel zu dieser Zeit eine untergeordnete Rolle. Nur wenige Bürgerinnen und Bürger konnten allein vom Handwerk leben, fast alle betrieben nebenher noch Landwirtschaft. Um die Wirtschaft anzukurbeln, setzten sich die Leonbergerinnen und Leonberger für einen zweiten Jahrmarkt ein. Gericht und Räte waren zunächst nicht überzeugt, weil sie ein Minusgeschäft befürchteten. Im Jahr 1684 genehmigte Herzog Friedrich Karl trotz Bedenken den Jahrmarkt mit Ross- und Viehmarkt.

In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich der Pferdemarkt, bei dem zunächst hauptsächlich Arbeitstiere angeboten und getauscht wurden, zu einem überregionalen Ereignis. Im Jahr 1768 besuchte Herzog Karl Eugen den Markt. Sein Adjutant hielt die bunten Eindrücke und das geschäftige Treiben in einem Tagebuch fest. Fast 150 Jahre später, 1911, wurde dieses Tagebuch veröffentlicht, und der Eintrag gilt seither als erste schriftliche Erwähnung des Marktes. Auf dieser Grundlage konnte 1920 das erste Jubiläum gefeiert werden. 

Immer mehr Pferde werden auf dem Markt verkauft

1840 sind es schon mindestens 200 Pferde, die in Leonberg verkauft werden. Bis zum Ersten Weltkrieg werden 500 bis 700 Pferde zum Markt gebracht. In Spitzenjahren sind es über 1.000 Tiere. Seit 1871 findet der Pferdemarkt traditionell am zweiten Dienstag im Februar statt. Kurz darauf gehört auch ein Hundemarkt zum festen Bestandteil des Markts. 

Erste Prämierungen

Als der württembergische Kronprinz Herzog Albrecht 1914 den Pferdemarkt besucht, werden erstmals Pferde ausgezeichnet. Sechs Jahre später, im Jahr 1920, wird das 150-jährige Jubiläum gefeiert. Das eigens entworfene Plakat mit Ross und Bauer prägt seit her das Erscheinungsbild des Festes. Im Zuge der Jubiläumsfeier wird der Markt um verschiedene Attraktionen erweitert, die heute noch Bestandteil des Fests sind: Reitervorführungen, Karussell, Festzug, und die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen.

Mit der Zeit nimmt der Handel auf dem Pferdemarkt ab, das Rahmenprogramm gewinnt an Bedeutung und das Fest wird im Jahr 1960 auf drei Tage ausgeweitet. Das neu angelegte Ausstellungs- und Festgelände an der Steinstraße und das Reiterstadion zeugen vom Wandel. 

Bild vergrößern: Plakat Pferdemarkt 1920 Bild: © Stadtverwaltung
Originalplakat aus dem Jahr 1920.

Handel bleibt dem Fest erhalten

Damit der Pferdehandel aber nicht vollständig verschwindet, wird 1976 eine Aufwandsentschädigung etabliert. Statt wie 1973 zehn Pferde, stehen nun wieder bis zu 100 Pferde zum Verkauf auf dem Marktplatz.

Heute wird der Leonberger Pferdemarkt fünf Tage gefeiert. Neben dem obligatorischen Pferdehandel in der Altstadt umfasst das Fest heute ein mehrtägiges Rahmenprogramm mit Fachtagungen, Seminaren und reitsportlichen Events. Mit den Ansteckern "I mog d’r Leonberger Rossmärkt" leisten Besucherinnen und Besucher einen kleinen finanziellen Beitrag zum Traditionsfest. 2023 löste ein hochwertiger Pin aus Metall den bisherigen Anstecker ab. Abgebildet sind Ross, Bauer und Hund. Im selben Jahr wurde der Pferdemarkt erstmals mit einer offiziellen Eröffnungsfeier am Freitagnachmittag auf dem Marktplatz eröffnet.



22.01.2026