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26.07.2022

Denkmal für Katharina Kepler in Eltingen aufgestellt

Anlässlich ihres 475. Geburtstages und 400. Todestages erhält Katharina Kepler in Eltingen ein Denkmal. Die Künstlerin Birgit Feil hat eine Betongussplastik geschaffen, die am Stadtarchiv aufgestellt wurde. Die feierliche Einweihung fand am Donnerstag, 21. Juli, statt.

Die Stadtführerinnen Gudrun Sach (links) und Ina Dielmann begrüßen die Interessierten vor dem Stadtarchiv.

© Corinna Kempf

 

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger tummeln sich am vergangenen Donnerstag vor dem Leonberger Stadtarchiv. Manche gehen nah ran, um das Kunstwerk genau unter die Lupe zu nehmen. Andere sprechen über den festen, aufrechten Stand der Mutter des berühmten Astronomen Johannes Kepler. Die Statue, gestaltet von der Warmbronnerin Birgit Feil, wurde mit Blick auf das Geburtshaus von Katharina Kepler am ehemaligen Eltinger Rathaus aufgestellt. Die mit einem grauen Gewand gekleidete, rund 1,60 Meter große Darstellung wird von großen und kleinen Besucherinnen und Besuchern von allen Seiten betrachtet.

Von Katharina Kepler ist kein Abbild überliefert; lediglich, dass sie klein und mager und von ihrem Wesen her klatschsüchtig und zänkisch gewesen sein soll. Birgit Feils Skulptur zeigt Katharina Kepler als eine gealterte Frau, die auf ihr Leben zurückblickt. Sie ist eingehüllt in ein mit vielen Details versehenes graues Gewand. Auch das Wort „Hexe“ ist mehrmals eingearbeitet. Auf dem Kopf trägt sie eine Haube, der Gesichtsausdruck lässt erahnen, welch schweres Leben sie hatte. Vorverurteilt und gebrandmarkt und dennoch aufrecht und standhaft steht sie da. Ihr Gesicht ist geprägt vom Leben, der Ausdruck vielleicht ein wenig streng und dennoch ruhig ertragend.

Feierliche Einweihung

Jonas Pirzer, Leiter des Amts für Kultur und Sport der Stadt Leonberg begrüßt alle Anwesenden und dankt Birgit Feil mit einem Strauß Sonnenblumen für ihre mühevolle Arbeit. Neben Klaus Hettler, Vorsitzender des Bürgervereins Eltingen, spricht bei der Einweihung der Kunsthistoriker Dr. Tobias Wall. Das „Ensemble Fragile“ mit Christoph Beck und Patrick Bebelaar nimmt musikalisch Bezug auf die Geschichte von Katharina Kepler. Die beiden Stadtführerinnen Gudrun Sach und Ina Dielmann, die als Katharina Kepler beziehungsweise Herzogin Sibylla von Württemberg auftreten, erzählen über das Leben der bekannten Leonbergerin und setzen diese in stadtgeschichtlichen Kontext.

Hintergrund zu Katharina Kepler

Katharina Kepler wurde am 8. November 1547 in Leonberg-Eltingen geboren und lebte dort bis zu ihrer Heirat mit Heinrich Kepler. Anschließend zog Katharina in das Elternhaus ihres Ehemannes in Weil der Stadt. Nur einige Jahre später zog die kleine Familie in das württembergische Leonberg, an den heutigen Marktplatz.

Ihr Ehemann verließ 1589 die Familie und kam bei einem Einsatz als Söldner ums Leben. Danach zog die nun wohlhabende Witwe in die Klosterstraße. Katharina wandte sich vermehrt der Zubereitung von Arzneien und Salben zu und widmete sich im Laufe der Jahre der Krankenpflege.

Im Jahr 1615 wurde Katharina Kepler als Hexe verdächtigt und später angeklagt. Die Beschuldigungen und die Anklage gegen sie zogen sich bis ins Jahr 1620, in dem sie schließlich verhaftet wurde. Einer der bekanntesten Württembergischen Hexenprozesse folgte, bei dem ihr nicht zuletzt die Bemühungen ihres Sohnes, Johannes Kepler, zu einem Freispruch verhalfen. Auch ihre Standhaftigkeit, sich trotz Androhung von Folter nicht der Hexerei schuldig zu bekennen, waren sicher ausschlaggebend für die Freilassung. Gezeichnet von den Strapazen des Prozesses und der langen Haft verstarb Katharina Kepler am 13. April 1622.

Die Künstlerin Birgit Feil

Die 1965 in Stuttgart geborene Birgit Feil studierte an der Freien Kunstschule Stuttgart und an der Hochschule der Künste Berlin mit einem Meisterschülerabschluss bei Prof. Karlheinz Biederbick. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Kunstpreis des Landkreises Böblingen. Birgit Feil arbeitet als freie Künstlerin mit Atelier in Warmbronn. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Hintergrund:

Das Stadtarchiv Leonberg hatte 2019 die in Cambridge lebende Historikerin und Autorin des Romans „Der Astronom und die Hexe“ zu einem Vortrag nach Eltingen eingeladen. Rublack fiel während ihres Aufenthalts auf, dass der berühmten Leonbergerin noch kein Denkmal gesetzt wurde. Der Bürgerverein Eltingen reagierte und fand im städtischen Amt für Kultur und Sport den entsprechenden Projektpartner.

Ein Einladungswettbewerb wurde organisiert. Drei figürlich arbeitende Bildhauerinnen waren eingeladen, einer sechsköpfigen Jury, bestehend aus einem externen Kunsthistoriker, zwei Vertreterinnen des Kulturamts und drei Vertretern des Bürgervereins, ihre Konzepte vorzustellen. Außerdem waren die Leonberger und Leonbergerinnen aufgerufen, per Postkarte ihre Favoritin zu wählen und damit eine gemeinsame siebte Stimme zu bilden.

In einer geheimen Abstimmung entschied man sich für den Entwurf und das Konzept der Warmbronner Künstlerin Birgit Feil.