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18.07.2022

Bürgerverein Eltingen und Kulturamt realisieren ein Denkmal für berühmte Leonbergerin

Anlässlich ihres 475. Geburtstages und 400. Todestages wird Katharina Kepler in Eltingen ein Denkmal gesetzt. Die Künstlerin Birgit Feil hat eine Betongussplastik geschaffen, die in der Nähe des Stadtarchivs stehen wird. Die feierliche Einweihung findet am Donnerstag, 21. Juli, um 18 Uhr statt. Es spricht der Kunsthistoriker Dr. Tobias Wall. Zur Veranstaltung gehören auch Musikbeiträge des "Ensembles Fragile" mit Christoph Beck und Patrick Bebelaar. Die kostümierten Stadtführerinnen Ina Dielmann und Gudrun Sach sorgen für die historische Einbettung in die Stadtgeschichte. 

Birgit Feil mit ihrer Katharina-Kepler-Plastik.

Birgit Feil mit ihrer Katharina-Kepler-Plastik.  | © Stadtverwaltung

 

Neue Skulptur wird enthüllt

Das Stadtarchiv Leonberg hatte 2019 die in Cambridge lebende Historikerin und Autorin des Romans "Der Astronom und die Hexe" zu einem Vortrag nach Eltingen eingeladen. Rublack fiel während ihres Aufenthalts auf, dass der berühmten Leonbergerin noch kein Denkmal gesetzt wurde. Der Bürgerverein Eltingen reagierte und fand im städtischen Amt für Kultur und Sport den entsprechenden Projektpartner.

Ein Einladungswettbewerb wurde organisiert. Drei figürlich arbeitende Bildhauerinnen waren eingeladen, einer sechsköpfigen Jury, bestehend aus einem externen Kunsthistoriker, zwei Vertreterinnen des Kulturamts und drei Vertretern des Bürgervereins, ihre Konzepte vorzustellen. Außerdem waren die Leonberger und Leonbergerinnen aufgerufen, per Postkarte ihre Favoritin zu wählen und damit eine gemeinsame siebte Stimme zu bilden.

In einer geheimen Abstimmung entschied man sich für den Entwurf und das Konzept der Warmbronner Künstlerin Birgit Feil. Im Mittelpunkt steht die beinahe realistische Darstellung einer historischen Person aus dem 16. Jahrhundert. Ohne Sockel und somit auf Augenhöhe präsentiert sich die 1,60 m große Skulptur.

Von Katharina Kepler ist kein Abbild überliefert; lediglich, dass sie klein, mager, klatschsüchtig und zänkisch gewesen sein soll. Birgit Feils Skulptur zeigt Katharina Kepler als eine gealterte Frau, die auf ihr Leben zurückblick, aufrecht und standhaft auf der einen, vorverurteilt und gebrandmarkt auf der anderen Seite. Ihr Gesicht ist geprägt vom Leben, der Ausdruck vielleicht ein wenig streng und dennoch ruhig ertragend. In historischem Gewand ist sie Abbild ihrer Zeit. 

Feierliche Einweihung

Die Einweihung der Skulptur findet am Donnerstag, 21. Juli, um 18 Uhr vor dem alten Rathaus Eltingen (Carl-Schmicke-Straße/Ecke Kirchplatz) statt. Neben Redebeiträgen des Bürgervereins Eltingen und des Amts für Kultur und Sport spricht der Kunsthistoriker Dr. Tobias Wall. Das "Ensemble Fragile" mit Christoph Beck und Patrick Bebelaar nimmt musikalisch Bezug auf die Geschichte der Katharina Kepler. Die beiden Stadtführerinnen Ina Dielmann und Gudrun Sach setzen diese in den entsprechenden stadtgeschichtlichen Kontext. Kanapees und Getränke kommen vom neueröffneten Café "Kepler's" gegenüber.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Hintergrund zu Katharina Kepler

Katharina Kepler wurde am 8. November 1547 in Leonberg-Eltingen geboren und lebte dort bis zu ihrer Heirat mit Heinrich Kepler. Anschließend zog Katharina in das Elternhaus ihres Ehemannes in Weil der Stadt. Nur einige Jahre später zog die kleine Familie in das württembergische Leonberg, an den heutigen Marktplatz.

Ihr Ehemann verließ 1589 die Familie und kam bei einem Einsatz als Söldner ums Lebens. Danach zog die nun wohlhabende Witwe in die Klosterstraße. Katharina wandte sich vermehrt der Zubereitung von Arzneien und Salben zu und widmete sich im Laufe der Jahre der Krankenpflege.

Im Jahr 1615 wurde Katharina Kepler als Hexe verdächtigt und später angeklagt. Die Beschuldigungen und die Anklage gegen sie zogen sich bis ins Jahr 1620, in dem sie schließlich verhaftet wurde. Einer der bekanntesten Württembergischen Hexenprozesse folgte, bei dem ihr nicht zuletzt die Bemühungen ihres Sohnes, Johannes Kepler, zu einem Freispruch verhalfen. Auch ihre Standhaftigkeit, sich trotz Androhung von Folter nicht der Hexerei schuldig zu bekennen, waren sicher ausschlaggebend für die Freilassung. Gezeichnet von den Strapazen des Prozesses und der langen Haft verstarb Katharina Kepler am 13. April 1622. 

Die Künstlerin Birgit Feil

Die 1965 in Stuttgart geborene Birgit Feil studierte an der Freien Kunstschule Stuttgart und an der Hochschule der Künste Berlin mit einem Meisterschülerabschluss bei Prof. Karlheinz Biederbick. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Kunstpreis des Landkreises Böblingen. Birgit Feil arbeitet als freie Künstlerin mit Atelier in Warmbronn. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. 

"Ensemble Fragile"

An einen verantwortungsvollen Umgang miteinander mahnend, improvisieren der Pianist Patrick Bebelaar und der Saxofonist Christoph Beck an verschiedenen Orten.

Sie wollen den Jazz wieder in an die Stelle der Gesellschaft zurückzubringen, aus der heraus er einst entstand: Als Klagelied gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeiten, als Requiem an die entrissene Heimat, die verlorene Familie und die eigene Kultur. Die Musiker arbeiten mit der Videokünstlerin Kristina Pfeffer zusammen. Im Trio verbinden sie Überliefertes, vor Ort Gehörtes und Gesehenes zu einem audiovisuellen Ganzen.