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01.06.2022

Leonpalooza-Festival 2022: "Ein knallhartes Business in einem hartumkämpften Markt"

Das Leonpalooza auf dem Leonberger Bürgerplatz ist zu einer festen Größe in der Festival-Szene gewachsen. Neben internationalen Stars, spielen dieses Jahr auch deutsche Hochkaräter ihre Hits – darunter Glasperlenspiel, Bob Geldof und Paul Carrack. Die Wenigsten wissen, was es bedeutet, ein solches Festival auf die Beine zu stellen. Leonbergs Veranstaltungsmanager Nils Strassburg gibt einen Einblick in seinen Arbeitsalltag und spricht über das Leonpalooza der Zukunft.

Nils Strassburg ist der Veranstaltungsmanager der Stadt und hat das Leonpalooza auf die Beine gestellt.

Nils Strassburg ist der Veranstaltungsmanager der Stadt und hat das Leonpalooza auf die Beine gestellt.  | © Sebastian Küster

 

Herr Strassburg, das Leonpalooza geht dieses Jahr in die dritte Runde. Worauf freuen Sie sich 2022 am meisten?

Wie immer: auf die Menschen. Bei Live-Events geht es um Emotionen und Lebensgefühl. Wenn ich sehe, wie das Publikum den Abend genießt, ob alleine, als Paar oder Gruppe - dann weiß ich, dass es sich gelohnt hat, für diese Momente so hart und lange zu arbeiten. Die Energie, die bei einem Live-Konzert zwischen Publikum und Künstler fließt, ist mit nichts zu vergleichen.

Und Sie sind sich sicher, dass dies vom 13. Juli bis 24. Juli wieder so sein wird?

Absolut. Das Line-up ist dieses Jahr noch namhafter, noch größer, noch hochwertiger als in den vergangenen beiden Jahren. Es ist uns erneut gelungen, eine Schippe draufzulegen. Bei dem Programm sollte für jeden etwas dabei sein. Auch am Festivalgelände wurde weiter optimiert: Wir haben dieses Mal einen größeren Food-Court, also Essensbereich. Das Team des Corfu Palace kümmert sich hier um Leib und Wohl unserer Festivalbesucherinnen und -besucher. Hier legen wir viel Wert auf lokale Unterstützung.

Sie sprechen die Künstlerinnen und Künstler schon an. Wer ist denn alles dabei?

Besonders stolz bin ich darauf, dass Bob Geldof nach Leonberg kommen wird. Er ist nicht nur ein einzigartiger Musiker, sondern eben auch eine Persönlichkeit, die Unglaubliches für die Popmusik der letzten Jahrzehnte geleistet hat. Darüber hinaus ist es uns gelungen Nena, die erfolgreichste deutsche Pop- und Rockkünstlerin Deutschlands, zu überzeugen, nach Leonberg zu kommen. Wenn ich ehrlich bin: ich bin auf alle Künstlerinnen und Künstler stolz, die wir engagieren konnten.

Wie schwer ist es solche Künstlerinnen und Künstler nach Leonberg zu holen?

Wir haben uns mit dem Leonpalooza in den vergangenen beiden Jahren in der Szene einen Namen gemacht. Das liegt auch daran, dass wir 2020 und 2021 einer der wenigen Veranstalter waren, die so ein Festival in Zeiten von Corona auf die Beine gestellt haben – und zwar deutschlandweit. Musikerinnen und Musiker waren uns sehr dankbar, dass wir ihnen eine Bühne boten. Außerdem ist alles reibungslos gelaufen. Das Publikum war toll, die Stimmung grandios. So stelle ich es mir dieses Jahr auch vor. Das alles hilft uns dabei, musikalische Größen in die Engelbergstadt zu locken.

Wie läuft die Festivalplanung ganz konkret ab?

Wir starten ungefähr 14 bis 18 Monate vor dem Festival und definieren zuallererst eine Strategie und setzen uns Ziele. Anschließend suchen wir nach Künstlerinnen und Künstlern, die dazu passen. Und das ist dann eine riesige Herausforderung. Wir erstellen eine Art Wunschliste mit internationalen Stars und großen Namen aus Deutschland und Österreich. Dann klären wir die Verfügbarkeiten und dann die entsprechenden Gagen. Beim Leonpalooza können wir mit den meisten Gagenforderungen der Managements nicht mithalten. Klar – Leonberg ist nicht "the place to be", auch die ganzen Nachholkonzerte der vergangenen Jahre haben es uns dieses Jahr besonders schwergemacht.

Warum?

Viele große Musikerinnen und Musiker spielen in Stuttgart. Der sogenannte Gebietsschutz legt einen Umkreis um den Veranstaltungsort fest, in dem sie kein weiteres Konzert spielen können. Daher fallen für Leonberg die allermeisten weg. Wir suchen deshalb echte Größen, die aber gleichzeitig realisierbar sind.

Wie geht es dann weiter?

In der Regel bieten wir eine Offerte an, also machen dem Management ein Angebot. Das richtet sich nach dem Marktwert der Künstlerin oder des Künstlers. Diese Offerten sind verbindlich. Heißt: Wir können nicht parallel mehrere Künstler anfragen, weil man Gefahr läuft, dass mehrere für einen Zeitpunkt zusagen. Diese Phase nimmt daher teilweise mehrere Wochen und Monate in Anspruch. Die Agenturen entwickeln dann einen Tourplan (Standort/Location/Angebot) und versuchen natürlich die höchsten Angebote einzuplanen. Da können wir oft nicht mithalten. Und dann hagelt es Absagen.

Ich stelle mir das zermürbend vor. Wie halten Sie diese Rückschläge aus?

Es tut immer weh. Aber man lernt damit irgendwie umzugehen. Für die Arbeit benötigt man Risikobereitschaft, Ausdauer, Netzwerk und ein starkes Nervenkostüm. Je näher das Festival rückt, desto größer wird der Druck und es werden immer mehr schlaflose Nächte. Ein Festival-Booking ist ein knallhartes Business in einem hartumkämpften, internationalen Markt. Dieser Markt ist undurchsichtig und es wimmelt von Agenten und Vermittlern, die alle am Künstlerhonorar partizipieren wollen.

Gibt es neben dem Booking weitere Risiken für das Leonpalooza?

Das Wetter zum Beispiel ist bei Openair-Veranstaltungen ein Schlüsselfaktor. Schlechtes Wetter reduziert die Einnahmen im Catering. Unwetter können zu Festivalabbrüchen führen. Die Künstler-Gagen sind in diesem Fall trotzdem geschuldet. Man kann Schlechtwetter zwar versichern, die Kosten dafür sind aber unverhältnismäßig. Ein Festival in dieser Größe kostendeckend zu veranstalten, ist eine Herkulesaufgabe. Ohne große Unterstützung von Sponsoren ist das Risiko viel zu hoch. Als Veranstalter muss man eine positive Grundhaltung haben, sonst ist man in diesem Business fehl am Platz.

Wir alle freuen uns auf das Leonpalooza vom 13. bis 24. Juli. Aber wohin soll sich das Leonpalooza perspektivisch entwickeln?

Das Leonpalooza ist auf dem Weg zu einem relevanten Populärfestivals im süddeutschen Raum. Durch Leonpalooza gewann Leonberg sehr viel an Ausstrahlung. In Anbetracht der Herausforderungen im Booking ist unser erklärtes Ziel das Gesamterlebnis des Festivals noch mehr zu schärfen. Wir wollen von Jahr zu Jahr nachhaltiger werden. Leonpalooza soll für seine Authentizität, Einzigartigkeit und Vielfalt stehen. Wir haben die Vision, dass neben der Livemusik, ganz viele Attraktionen (Dekoration, Walking Acts, Kunstaktionen) in der gesamten Stadt parallel zum Festival stattfinden. Außerdem könnte man noch tageweise eine spitzere Zielgruppe entwickeln, zum Beispiel mit einem Fashionpalooza oder Kidspalooza. Mit diesen Maßnahmen glauben wir, dass uns die Treue unserer Besucherinnen und Besucher erhalten bleiben wird und wir weiter wachsen werden.


Tickets und weitere Infos

Beim dritten Leonpaloozafestival vom 13. bis 24. Juli auf dem Bürgerplatz sorgen international etablierte Künstler und brandaktuelle Newcomer für eine elektrisierende Mischung aus Musik, Kabarett, Comedy und Performance.

Das ausführliche Programm sowie Tickets gibt es online unter www.leonpalooza.de. Eintrittskarten können außerdem in den Vorverkaufsstellen im Ticketshop der Stadthalle, Römerstraße 110, und im i-Punkt im Rathaus am Belforter Platz, gekauft werden.