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03.05.2022

Die wohl wichtigste Statistik für Leonberg wird in zwei Wochen erhoben

Wie viele Menschen leben in Leonberg? Gibt es genügend Wohnraum für alle Bürgerinnen und Bürger? Brauchen wir mehr Schulen, Kitas oder Altenheime? Um diese und andere Fragen zu beantworten, findet demnächst die deutschlandweite Volkszählung, genannt Zensus, statt. In Leonberg übernehmen das ab Montag, 16. Mai, 50 Erhebungsbeauftrage. Warum der Zensus richtungsweisend für die Engelbergstadt ist und was der kommunale Hochsicherheitstrakt damit zu tun hat, lesen Sie hier.  

In der Gerhart-Hauptmann-Straße befindet sich die Erhebungsstelle für den Zensus 2022.

In der Gerhart-Hauptmann-Straße befindet sich die Erhebungsstelle für den Zensus 2022.  | © Leila Fendrich

 

Zensus 2022

Woher weiß das Amt für Jugend, Familie und Bildung eigentlich, wie viele Kindergartenplätze die Stadt Leonberg in den nächsten Jahren zur Verfügung stellen muss? Diese und viele andere wichtige Daten liefert der Zensus. Die Zahlen, die ab Montag, 16. Mai, und alle zehn Jahre auf europäischer Ebene erhoben werden, dienen unter anderem als Grundlage für zahlreiche politische Entscheidungen. Nicht nur auf den Gebieten Soziales, Wirtschaft oder Wohnraum – auch die Themen Verkehr, Umwelt und Arbeitsmarkt werden von dieser Datenerhebung erheblich beeinflusst. "Die Einwohnerzahlen sind in vielen Vorschriften als maßgebliche Grundlage für Rechtsfolgen enthalten. Darunter etwa der kommunale Finanzausgleich, die Einteilung von Wahlkreisen, die Verteilung der Sitze im Bundesrat. Sogar die Berechnung der Sitze im Leonberger Gemeinderat werden vom Zensus direkt beeinflusst. Das Ergebnis hat also erhebliche Auswirkungen auf unsere Stadt und ich danke allen Erhebungsbeauftraghen und ausgewählten Bürgerinnen und Bürger, die am Zensus 2022 teilnehmen", sagt Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. 

Kommunaler Hochsicherheitstrakt im alten Arbeitsamt

In Leonberg laufen die Pläne für den Zensus 2022 nicht etwa in einem öffentlich zugänglichen Büro im Rathaus am Belforter Platz. Die Arbeit erfordert höchste Sicherheitsstandards. Daher liegt die Erhebungsstelle abseits in einem unscheinbaren Büro im ehemaligen Arbeitsamt in der Innenstadt. Hinein kommen hier nur speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vor ihrem Dienstantritt eine Verschwiegensheitspflicht mit ihrer Unterschrift geleistet haben. Die Erhebungsstelle - ein Hochsicherheitstrakt auf kommunaler Ebene.

Die strengen Maßnahmen sind erforderlich, um den Zensus 2022 gemeinsam mit dem statistischen Landesamt Baden-Württemberg sicher durchzuführen: "Wir haben es hier mit sehr sensiblen Daten unserer Bürgerinnen und Bürger zu tun. Da ist es nur richtig, dass wir alle Vorkehrungen treffen, um die Informationen sicher unter Verschluss zu halten. Diese Sicherheit hat bei uns höchste Priorität", erklärt Stefan Bülow.

Der Mann mit Bart, Hemd und Jeans ist bei der Stadt Leonberg im Hauptamt für den Zensus verantwortlich. "Es ist immer eine gewaltige Herausforderung diesen Anforderungen gerecht zu werden – das gebe ich zu. Aber genau deshalb macht mir die Arbeit auch so viel Spaß", sagt der Leiter der Erhebungsstelle und erklärt: Die statistischen Ämter des Bundes und der Länder haben in Leonberg rund 600 Adressen per Zufallsprinzip ausgelost. 5.000 Bürgerinnen und Bürger im Leonberger Stadtgebiet sowie Warmbronn, Höfingen und Gebersheim sind gegenüber Bülows insgesamt 50 Erhebungsbeauftragte, fast alle selbst Bürgerinnen und Bürger der Engelbergstadt, auskunftspflichtig. 

Derzeit läuft die Vorbegehung, in zwei Wochen beginnt die Befragung

"Derzeit beginnen die Interviewerinnen und Interviewer mit den Vorbegehungen der ihnen zugewiesenen Adressen. Dabei wird überprüft, ob die vorliegenden Informationen zu den Anschriften vor Ort auch zutreffen", so Bülow. Wenn das der Fall ist, werfen die Erhebungsbeauftragten das Terminankündigungsschreiben zusammen mit der rechtlichen Unterrichtung und dem Informationsflyer zum Zensus 2022 in die Briefkästen der Auskunftspflichtigen. Stichtag ist Sonntag, 15. Mai. Einen Tag später wird es ernst. Dann beginnen die Haushaltsbefragungen. Sie laufen bis spätestens Ende Juli, qualitätssichernde Wiederholungserhebung bis November 2022. 

Existenzfeststellung und Online-Fragebogen

Aber was wollen die Interviewerinnen und Interviewer eigentlich wissen? In einem persönlichen Kontakt, der normalerweise mit Abstand an der Haustür stattfindet, geht es um die Feststellung der Existenz. Dazu nehmen die Erhebungsbeauftragten Vornamen, Nachnamen, Geburtsdatum, das Geschlecht und die Staatsangehörigkeit aller Personen auf, die am 15. Mai 2022 an dieser Adresse gelebt haben. Alle weiteren Fragen können die Auskunftspflichtigen dann später selbstständig online beantworten. Dazu erhalten sie von den Erhebungsbeauftragten Online-Zugangsdaten in Form von sogenannten IDEV-Kennungen.

Alternativ kann der Fragebogen auf Papier ausgefüllt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie bittet die Stadtverwaltung bei dieser Erhebung jedoch alle mithilfe einer IDEV-Kennung die Befragung online durchzuführen – wo immer möglich. Die Existenzfeststellung vor Ort dauert ungefähr fünf bis zehn Minuten. Die Erhebungsbeauftragten weisen sich zu Beginn der Befragung mit ihrem Erhebungsbeauftragtenausweis und einem Personalausweis oder Reisepass aus.

Eine gesunde Skepsis bei der Weitergabe von Daten ist sinnvoll. Beim Zensus brauchen sich die Bürgerinnen und Bürger, die ihre Daten per Gesetz preisgeben müssen, aber keine Sorgen machen. Die Weitergabe der Daten an Dritte wie etwa Meldeämter, Sozialämter, das Finanzamt oder sogar die Polizei, ist nach dem Rückspielverbot gesetzlich grundsätzlich untersagt.

Zu zählen sind alle Personen, die meldepflichtig sind – unabhängig da­von, ob sie sich tatsächlich gemeldet haben. Ausgenommen sind Personen aus dem Ausland, die zeitnah Deutschland verlassen. Sie dürfen bis zu drei Monate in Deutschland wohnen, ohne sich anzumelden. Dies gilt auch für Geflüchtete aus der Ukraine. 

Informationen online verfügbar – in 15 Sprachen

Weitere Informationen zum Zensus, den Erhebungsbeauftragten, dem Datenschutz und zur Methode der statistischen Erhebung gibt es auf der Internetseite der Stadtverwaltung unter www.leonberg.de/Zensus oder unter www.zensus2022.de in 15 unterschiedlichen Sprachen.