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22.03.2022

Amphibien auf Wanderschaft – die Quellenstraße engagiert sich

Seit 30 Jahren sorgt Heinz Klingel dafür, dass die Amphibien in Gebersheim sicher zu ihren Laichgebieten kommen. Nun lernt er Anwohnerinnen und Anwohner aus der Quellenstraße ein, die seine Nachfolge antreten. Die Stadtverwaltung unterstützt die Helferinnen und Helfer dabei. 

Heinz Klingel (links) lernt seine Nachfolgerinnen und Nachfolger ein.

Heinz Klingel (links) lernt seine Nachfolgerinnen und Nachfolger ein.  | © Johannes Spannagel

 

Wer von der Quellenstraße in Gebersheim in Richtung Felder geht, wird abends und nachts von einer Schranke aufgehalten. „Achtung! Hier laichen Kröten und Feuersalamander“ steht auf einem Schild. Im Frühjahr begeben sich Amphibien, die sonst im Wald und in der Erde leben, genau hier an Tümpel und Wasserstellen, um ihren Laich abzulegen. Damit sie dort unbeschadet ankommen, helfen ihnen Anwohnerinnen und Anwohner aus der Quellenstraße.

"Heinz Klingel kümmert sich seit Jahren darum und lernt uns jetzt ein", sagt Martina Reisser. Die engagierte Frau aus der Quellenstraße ist Teil des Nachbarschaftsnetzwerks, das von Heinz Klingel an die Aufgaben herangeführt wird. Der 83-Jährige suchte altersbedingt Nachfolger und fand sie nebenan. 

Fäden laufen im Rathaus zusammen

Obwohl das Wohl der Tiere maßgeblich vom ehrenamtlichen Engagement abhängt, funktioniert Artenschutz nur im Zusammenspiel aus Freiwilligen und Verwaltung. Michael Kübler ist im Rathaus für viele Umwelt- und Naturschutzthemen zuständig. Dazu gehört auch, die vielen ehrenamtlich Engagierten beim Artenschutz zu unterstützen und mit Informationen sowie Material zu versorgen.

"Wenn es wieder Zeit ist, die Schranken zu schließen, werden die Bürgerinnen und Bürger im Mitteilungsblatt darüber informiert", erklärt er. Die Stadtverwaltung übernimmt maßgeblich die Kosten für den Schutz der Amphibien. "Wenn Schutzzäune erneuert oder Schilder aufgestellt werden müssen, bezahlt das die Stadt", so der Unterstützer und Vermittler der Ehrenamtlichen, wie er sich selbst nennt. 

Schranken gegen das Überfahren

Die zwei Schranken werden derzeit abends und morgens auf- und zugesperrt, damit keine Autos und Traktoren durchfahren. "Das übernehmen meist die Hundebesitzer, die um die Zeit mit ihren Vierbeinern unterwegs sind", erklärt Helferin Martina Reisser. Das sei wichtig, weil Amphibien meist in der Dämmerung und nachts ihr Versteck verlassen. Häufig werden sie überfahren, weil sie eher gemächlich unterwegs sind. Zwischen März und Mai wandern die Frösche, Kröten und – wie in Gebersheim – Feuersalamander zu den Laichgewässern. Los ziehen sie aber erst bei Temperaturen ab fünf Grad und bei feuchtem Wetter.

"Die Tiere lieben es, wenn es feucht und recht mild ist. Dann machen sie sich auf den Weg", weiß Heinz Klingel. "Der erste Laich liegt schon in den Becken." Seit 30 Jahren kümmert er sich um seine tierischen Schützlinge. 

Feuersalamander schützen

Das klare Wasser der Quellen am Ortsrand von Gebersheim und der Muschelkalk am Hang, in dessen Lücken und Höhlen sich die Amphibien verstecken können, machen die Gegend zu einem herausragenden Wohnort für den seltenen und bedrohten Feuersalamander. "Das ist übrigens auch der einzige Lurch, der lebend gebärt und nicht laicht", erklärt Klingel. Auch deshalb sei es wichtig, Hunde von den Gewässern fernzuhalten. So könne verhindert werden, dass sie Laich und Lurche töten. Aus diesem Grund hat Klingel mit seinem Helfernachwuchs aus der Quellenstraße Gitter über die Laichbecken gelegt.

Schrankendienst, Laichgewässer von Algen entfernen, Schilder bemalen und aufstellen – die Aufgaben sind vielfältig, die die Helferinnen und Helfer übernehmen. "Ich bin sehr dankbar, dass mich die Anwohnerinnen und Anwohner unterstützen und auch das Amt des Schrankenwärters übernehmen", sagt Heinz Klingel. Gemeinsam mit seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zieht er auch mit Eimern durch die Straßen, um die Tiere aufzusammeln, die vom Weg abgekommen sind. "Heinz Klingel zeigt uns alles ganz genau. Als Gruppe bekommen wir das gut gestemmt", meint Martina Reisser zuversichtlich. "Für die Kinder ist es auch schön, so viel hautnah über Amphibien zu lernen."

 

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