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21.02.2022

Im Repair-Café wird kaputten Geräten neues Leben eingehaucht 

Nachhaltigkeit, Naturschutz, Fairer Handel – in Leonberg sind das keine Worthülsen. Hier erwecken Menschen Werte zum Leben.  Seit 1997 ist die Lokale Agenda in Leonberg mit ihren unterschiedlichen Arbeitsgruppen aktiv. Im Jahr 2021 verpflichtete sich die Verwaltung selbst, die 17 Agenda-Ziele auf kommunaler Ebene umzusetzen. Bis heute ist viel passiert. In der Serie „Lokale Agenda leben“ stellt die Stadtverwaltung Protagonisten vor, die ihren Alltag der Lokalen Agenda verschrieben haben. Im siebten Teil der Serie zeigen Eckart Matthias und Werner Stocker, dass defekte Kaffeemaschinen, Bügeleisen und Co. nicht immer auf die Mülldeponie gehören. 

Werner Stocker (l.) übernahm Ende 2021 die Leitung des Repair-Cafés von Eckart Matthias.

Werner Stocker (l.) übernahm Ende 2021 die Leitung des Repair-Cafés von Eckart Matthias.  | © Leila Fendrich

 

Eckart Matthias schmeißt das Repair-Café seit sieben Jahren zusammen mit seiner Stellvertreterin Renate Strauss. Ende 2021 verkündete der 83-Jährige seinen Rücktritt. Damit verlässt eine Koryphäe der Lokalen Agenda, einer Leonberger Initiative mit insgesamt 17 nachhaltigen Zielen, die Bühne. „Die Überlegungen kamen im Herbst 2021. Dann ging eigentlich alles ganz schnell“, verrät der freundliche Mann mit markanter Brille in seinem zweiten Zuhause, dem Repair-Café, im Erdgeschoss des Bürgerzentrums. „Ich habe einfach gemerkt, dass ich die Menschen immer schlechter verstehe – akustisch natürlich. Es wurde langsam Zeit, dass ein anderer das Ruder übernimmt“, so Matthias.

„Ich habe gleich Ja gesagt“

Die lästige Suche nach einem kompetenten Nachfolger blieb aus. Denn sofort war klar, wer der neue Herr der Werkstatt im Bürgerzentrum Stadtmitte werden soll: Werner Stocker. Ein Neuling im Agenda-Komplex ist der 71-Jährige aber nicht. Stocker repariert schließlich schon seit vier Jahren vor allem Fahrräder im Repair-Café. „Als ich von Eckart gefragt wurde, ob ich seinen Posten übernehmen möchte, habe ich gleich Ja gesagt. Ich führe das ehrenamtliche Engagement sehr gerne weiter und freue mich, dass im Repair Café so kompetente Expertinnen und Experten mitarbeiten.“ sagt er. Auch Renate Strauss ist weiterhin dabei; sie kümmert sich hauptsächlich um den Empfang der Gäste.

Aber was ist das Repair-Café eigentlich? Die Idee stammt aus den Niederlanden und bedeutet kurz gesagt: kaputte Gegenstände nicht einfach wegwerfen, sondern zusammen mit Helferinnen und Helfern wieder instandsetzen. Das Repair-Café Leonberg öffnete im September 2015 seine Tore. Und es hat bis heute Bestand. 

28 Helferinnen und Helfer im Einsatz

Mittlerweile unterstützen insgesamt 28 Helferinnen und Helfer wie Eckart Matthias und Werner Stocker ehrenamtlich Bürgerinnen und Bürgern, wenn die Kaffeemaschine, ein Föhn oder der Toaster streikt. „Die Menschen kommen aber auch mit kaputter Kleidung, Holzspielzeug oder eben ihren Fahrrädern her“, sagt Stocker. Sogar ein defektes Spielzeug-Feuerwehrauto hat sich schon ins Repair-Café verirrt. „Wir hatten mal eine Waschmaschine hier. Die wurde sogar ausnahmsweise von Zuhause abgeholt. Das machen wir aber nicht mehr. Alles hat Grenzen“, sagt Matthias und schmunzelt dabei leicht unter seiner Maske hervor. 

Alles läuft auf Spendenbasis

Eine Preisliste für gemeinsame Reparaturen gibt es nicht. Schließlich arbeiten die fleißigen Helferinnen und Helfer ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis. Deshalb steht am Eingang immer ein Schuhkarton, in dem die Gäste, wie sie hier höflich genannt werden, eine Spende hinterlassen können. „Die allermeisten sind sehr spendabel. Das freut uns sehr. Mich persönlich macht es glücklich, die vielen unterschiedlichen Menschen mit einem guten Gefühl wieder nach Hause zu schicken und dabei gemeinsam etwas Nützliches für die Umwelt zu tun “, sagt Werner Stocker. Eckart Matthias nickt zustimmend. Von den Spenden werden Werkzeug und Ersatzteile bezahlt. 

Repair-Café sucht Ehrenamtliche

„Die Arbeit hat mich sehr lange erfüllt. Und ich möchte gerne dazu ermuntern bei uns mitzumachen. Wir brauchen vor allem Menschen, die sich mit Computern, Tablets und Smartphones auskennen“, ruft Matthias zur Mithilfe auf. Bestimmte Vorgaben muss man als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter im Repair-Café nicht erfüllen. Auch das Alter spielt keine Rolle. „Unser Team ist sowieso schon bunt gemischt. Wir haben junge Leute, aber auch Rentnerinnen und Rentner, Hobbybastlerinnen und Hobbybastler sowie Ingenieurinnen und Ingenieure. Bei Bedarf erhalten wir Tipps und Anregungen auch durch den Austausch mit anderen Repair-Cafés im Landkreis, aber auch auf Bundesebene“ betont Stocker.

Wer befürchtet, dass zu viel Arbeit auf ihn oder sie zukommt, kann beruhigt aufatmen. Das Repair-Café ist nur einmal im Monat, immer am zweiten Samstag, geöffnet. Dann sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Zeit haben, vor Ort. Und dabei geht es stets fröhlich und entspannt zu. In der Regel kommen die Kolleginnen und Kollegen des ehemaligen und neuen Leiters alle acht Wochen.  „Und wenn es mal doch nicht spontan klappt, obwohl man sich angemeldet hat, ist das auch in Ordnung“, so Eckart Matthias. 

Derzeit gilt 2G+ im Repair-Cafe

Ähnlich ist das bei Menschen, die ein defektes Gerät reparieren möchten. Seit Corona ist eine Anmeldung über die Webseite www.repair-leonberg.de erforderlich. Derzeit gilt die 2G+-Regel. Der nächste Termin für das Repair-Café ist am 12. März 2022 von 10 bis 13 Uhr.

 

 

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