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Zweckverband Klärschlammverwertung Böblingen gegründet 

Ende November wurde in Böblingen der Zweckverband Klärschlammverwertung Böblingen gegründet. Bislang haben 65 Mitglieder ihren Beitritt erklärt – dazu gehört auch Leonberg. Der Gemeinderat hat Mitte Oktober dem Beitritt in den Zweckverband zugestimmt. 

Bau einer neuen Anlage

Die Klärschlammverwertungsanlage soll auf dem Grundstück des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk in Böblingen entstehen und im Jahr 2027 in Betrieb genommen werden. Das maximale Klärschlamm-Kontingent beträgt 120.000 Tonnen entwässertem Klärschlamm pro Jahr, woraus 37.000 Megawattstunden Fernwärme und 6.000 Megawattstunden Strom gewonnen werden können.

Der Verbrennungsprozess wird in einem Wirbelschichtofen nach neuestem Stand der Technik stattfinden. Die Prozessabgase werden in einer modernen Rauchgasreinigungsanlage aufwändig gereinigt und unterschreiten die gesetzlichen Grenzwerte deutlich.

Täglich wird es maximal 15 An- und Abfahrten von Klärschlamm-Anlieferungen der Verbandspartner geben.

Verringerung des Schwerlastverkehrs

Derzeit wird der Klärschlamm, der auf der Leonberger Anlage anfällt, über ein Entsorgungsunternehmen entweder in einem Kohleheizkraftwerk oder in einem Zementofen verbrannt. In Leonberg fallen jährlich etwa 4.000 Tonnen davon an. Dabei entstehen jährliche Kosten von rund 460.000 Euro. Durch die künftige Entsorgung des Klärschlamms in Böblingen kann der Schwerlastverkehr auf der Autobahn deutlich reduziert werden, da dieser bislang auf die Schwäbische Alb gefahren wird.

Interkommunale Lösung

Bereits im Jahr 2016 wurde eine Machbarkeitsstudie für eine Verbrennungsanlage am Standort des Restmüllheizkraftwerks in Böblingen vorgestellt. In Zusammenarbeit mit Betreibern und dem Zweckverband des Restmüllheizkraftwerks Böblingen wurde eine interkommunale Lösung erarbeitet. Diese bietet für alle Beteiligten eine langfristige Entsorgungssicherheit mit einer fairen Preisbildung.

Der nun gegründete Zweckverband hat die Aufgabe, den Klärschlamm zu verwerten. Dabei werden Phosphor und ggf. weitere Rohstoffe zurückgewonnen sowie Energie gewonnen.

Hintergrund

Die Neufassung der Klärschlammverordnung, die seit Ende 2017 in Kraft ist, verpflichtet größere Kläranlagen ab den Jahren 2029 bzw. 2032 zur Rückgewinnung des Phosphors aus Klärschlamm bzw. aus dessen Asche. Phosphor ist einer der weltweit wichtigsten Stoffe und muss bergmännisch abgebaut werden. Zudem verbietet der Gesetzgeber seither die Verwertung des Klärschlamms in den Boden etwa als Dünger. Dadurch soll vermieden werden, dass giftige bzw. belastende Stoffe wie Nitrate und Mikroplastik in die Böden gelangt.

Aufgrund der neuen gesetzlichen Regelungen erhöht sich die Nachfrage nach Mit- und Monoverbrennung von Klärschlamm. Das führt bereits jetzt zu steigenden Entsorgungskosten.