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Virtuelle Ausstellung im Galerieverein von Nina Joanna Bergold 

Aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung kann die ursprünglich für Sonntag, den 8. November geplante Eröffnung der Ausstellung "Kopf voran, Augen halb geöffnet" von Nina Joanna Bergold nicht stattfinden.

Die Ausstellung wird aber der kommenden Woche über das Internet zugänglich gemacht.

Virtuelle Ausstellung im Galerieverein

Nina Joanna Bergold
Kopf voran, Augen halb geöffnet – Folienschnitt, Installation

Barbara Rösch
Papierfaltungen (Kabinett)


Aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung kann die ursprünglich für Sonntag, den 8. November geplante Eröffnung der Ausstellung nicht stattfinden. Ersatzweise wird in Kürze ein virtueller Rundgang auf der Homepage des Galerievereins verfügbar sein. Die vor Ort bereits aufgebaute Ausstellung wird verlängert.

Aquarium der Sinne

Installationen von Nina Joanna Bergold – exemplarisch sei nur die Netzschwimmer betitelte Arbeit genannt – verwandeln den gesamten Ausstellungsraum in eine Art Aquarium der Sinne, in das der Betrachter von ganz verschiedenen Standpunkten aus eintauchen kann.

Aus noch sicherer Entfernung mag man dabei die riesenhaften Dimensionen des lakritzhäutigen Seeungeheuers Schritt für Schritt zu ermessen versuchen. Näher herangekommen aber gilt es, sich vor den tückisch zusammengerollten oder doch schon gierig in den Raum auskragenden Tentakeln ihrer Linienfühler gehörig in Acht zu nehmen. Auf Augenhöhe schließlich mit dem gummigleichen Zeichnungspolypen angelangt – nach unten abgetaucht, in den gefährlichen Schlick der verschiedenen Bedeutungsebenen – und allmählich in diese eigentümliche Formen- und Figurenwelt eingesehen, werden die sie Betrachtenden wie Jonas vom gutmütig gefräßigen Walfisch der Imagination vollends verschlungen.

Faszination der Ideenwelten

Im helldunklen Inneren dann – gewissermaßen im Magen der Imagination – von den bergold’schen Verdauungssäften jener überschäumenden Vorstellungskräfte erst einmal so richtig angefressen, kann man sich, sofern man jedenfalls nach Minuten, Stunden oder Tagen vom Bilderwal auch wieder ausgespien werden sollte, der Faszination dieser Ideenwelten kaum mehr je entziehen.

Erforschung des menschlichen Körpers

In einem früheren Leben Medizinerin seziert Nina Joanna Bergold heute die sichtbare Wirklichkeit in ihrer Eigenschaft als bildende Künstlerin, um auf diese Weise anders subkutan neue Erkenntnisse über den menschlichen Körper und seine Existenz – bzw. die Koexistenz mit ihren Mitwesen – zu erforschen. In diesem Zusammenhang hatte sich Nina Joanna Bergold neben der Malerei bereits früh zeichnerischen und insbesondere druckgrafischen Auffassungen zugewandt.

Teichfolie als monumentale Schriftrolle

Stets vorausschauend das große Ganze bedenkend, ohne über die Mittel etwa nachträglich möglicher Retuschen verfügen zu können (ein Schnitt ist ein Schnitt ist ein Schnitt, unwiderruflich), bearbeitet sie so Teichfolien im großen Format, die zwischenzeitlich zu einem für die Künstlerin charakteristischen Ausdrucksmedium geworden sind.

Scherenschnitt in ungeahnter Dimension

Den althergebrachten, eher miniaturisch geprägten Scherenschnitt des 19. Jahrhunderts katapultiert sie mit der ihr eigenen Vorgehensweise in ungeahnte Dimensionen. Unendlich lang scheinende Bahnen dieser Folien verwendet sie nämlich wie eine monumentale Schriftrolle. An einem Ende derselben fängt sie zunächst an zu zeichnen, hier weiß auf schwarz, dann beginnt sie zu schneiden. Die fertiggestellten Bildstrecken rollt sie anschließend auf, um am anderen Ende die Folie weiter abzuwickeln, um sich so sukzessive über das zur Verfügung stehende Format vor- und durch das Material durchzuarbeiten. Eine Linie, eine Fläche, eine Form ergibt die nächste. Ständig bedarf es, das Verhältnis von Positiv- und Negativform sorgsam abzuwägen, die filigranen Netzwerke bis an die Grenze des Machbaren voranzutreiben.

Unberechenbaren Selbstermächtigungen von Bildwerk und Material

Als säße sie tatsächlich an einer irgendwie megalomanen Druckvorlage  ist für Nina Joanna Bergold die erst unsichtbare, weil spiegelverkehrt auf der körnig matteren Rückseite des Kunststoffes entstehende Komposition von besonderer Bedeutung. Wie in den traditionellen Techniken von Holz- und Linolschnitt, Radierung oder Lithografie seit je her überliefert, mag auch hier jene indirekte Vorgehensweise eine Rolle spielen, die in der Folge der verschiedenen Druckprozesse zwangsläufig zu teilweise unberechenbaren Selbstermächtigungen von Bildwerk und Material führen.

Körperhaft skulpturaler Charakter der Werke

Andererseits – das gilt insbesondere auch für die Netzschwimmer Nina Joanna Bergolds – haben wir es im eigentlichen Sinne ja gar nicht mit einer vornehmlich nur zweidimensionalen Arbeit zu tun. Von der Decke abgehängt, Materialreste auf dem Fußboden aufliegend, rundum umschreitbar, Durchblicke gar durch den verwendeten Werkstoff gestattend, Segmente nach vorne oder nach hinten wölbend, aufragend, herablappend, und diesen ganzen (Bild)Lindwurm organisch sich durch den Raum geschlängelt, nimmt die Arbeit vielmehr körperhaft skulpturalen Charakter an.

Fein verästelten Liniengeflechte - schwere Schwarzmassen

Eben diesem Eindruck des Durchdeklinierens des Körperhaften – der Wechselwirkungen von Material, Arbeitsweise und räumlicher Wirkung – auf formaler Ebene entsprechen die inhaltlichen Komponenten der gezeigten Figurationen. Einzelne menschliche Leiber und Organe konkretisieren sich erst in der allmählichen Anschauung aus den fein verästelten Liniengeflechten und schweren Schwarzmassen heraus.

Monsterhafte Mutanten im Gemenge

In den tumultuarischen Flexionen dann von Beugen und Strecken, Verharren und Weiterströmen werden aus den unterschiedlichsten Perspektiven deutlich erkennbar Hand und Fuß, Arme und Beine, Rümpfe und Köpfe sichtbar. Mal können diese einem individuellen Körper zugeordnet werden, ein anderes Mal lehnen sie sich jedoch gegen jede anatomische Rechtmäßigkeit auf und bilden monsterhafte Mutanten im Gemenge aus.

Zerfall ganz geglaubter Körper

Und zuletzt in das akrobatische Getümmel zwischen Höllensturz und Himmelfahrt dann eingesehen, zerfallen die eben erst noch ganz geglaubten Körper wieder in ihre einzelnen Bestandteile zurück oder sogar ins informelle Nichts bloßer Materie, perforiertes Plastik eines zweckentfremdeten Baumarktmaterials.

Im Kabinett: Arbeiten aus Papier von Barbara Rösch

Sie arbeitet mit Falt-Mustern aus der Welt des Origami, einer jahrhundertealten Kunst des Papierfaltens. Dabei entstehen durch die Wiederholung einzelner Muster aus einem Bogen Papier zwei- und dreidimensionale Bilder und Skulpturen , die an Architektur oder Landschaft erinnern, aber auch als abstrakte Gebilde das Auge anziehen. Je nachdem wie das Licht auf die Arbeiten fällt, wandelt sich das Bild und es entstehen Farbschattierungen überwiegend aus Weiß- und Grautönen. Barbara Rösch zeigt im wahrsten Sinne des Wortes die Vielfalt des Papiers.

Ihr Zugang zur virtuellen Ausstellung

Die virtuelle Ausstellung mit den Werken der beiden Künstlerinnen wird in der kommenden Woche über das Internet unter www.galerieverein-leonberg.de zugänglich gemacht.