Seiteninhalt

Liebesbriefe, Grußkarten und Vieles mehr: Tag der Archive am Samstag 

"Kommunikation" lautet das Motto des bundesweiten Tages der Archive, der am kommenden Samstag, den 7. März stattfindet. Die beiden Leonberger Archive – das Stadtarchiv und die Werner-Zeller-Stiftung für Familienforschung – zeigen ihre Schätze. 

Stadtarchiv im Eltinger Rathaus

"Im Saal des Eltinger Rathauses können Interessierte Postkarten mit historischen Ansichten von den Ortsteilen Leonbergs bestaunen, durch Auswandererbriefe einen Blick in die Neue Welt werfen und in der kleinformatigen Lokalzeitung des 19. Jahrhunderts schmökern", so Stadtarchivarin Bernadette Gramm.

Können Sie alte deutsche Schrift lesen?

Sie ergänzt: "In einer Lese-Ecke können Besucherinnen und Besucher ihre Lesekünste an Postkarten und Briefen in alter deutscher Schrift testen, wobei wir natürlich für Lesehilfen garantieren."

Die Ansichtskarten gehören zur umfangreichen Postkartensammlung des Stadtarchivs, die durch Geschenke und Ankäufe laufend ergänzt wird. Die privaten Briefe der Auswanderer aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen im Zusammenhang mit Erbschaftsregelungen in die Gemeindeverwaltungen und somit ins Archiv. Bis auf Gebersheim sind alle Ortschaften mit Briefen vertreten.

Better late than never

"Better late than never" ist immer wieder das Motto der Schreiber, wenn sich die Auswanderer nach monate- oder jahrelangem Schweigen melden. Einmal schwärmen sie von den Chancen und der Freiheit in Nordamerika, ein andermal warnen sie vor dem Weggang. Beeindruckt von der Weite meinte der Warmbronner Christian Meidele im Jahr 1864: "das ist ein ganz ander Ding, als wie in Deutschland, wo alle ein oder ½ halbe Stunden ein Dorf oder eine Stadt ist."

Erhalt von Wertvollem durch Buchpatenschaften

Zu bewundern sind an diesem Tag auch wertvolle restaurierte Archivbände, die dank der Übernahme von Buchpatenschaften konserviert werden konnten. Diese Initiative wurde beim letzten Tag der Archive in Leonberg 2018 gestartet.

Werner-Zeller-Stiftung für Familienforschung im Seedammcenter

Wie hat man vor 200 Jahren Beziehungen gepflegt und miteinander kommuniziert? Und was steht in den vielen Briefen, Tagebüchern und Poesiealben der damaligen Zeit?

Brautbriefe, Feldpostbriefe, Postkarten und Poesiealben

"Im Archiv der Werner-Zeller-Stiftung für Familienforschung im Seedammcenter finden sich persönliche Aufzeichnungen aus fast 100 Nachlässen", erklärt  Archivbetreuerin Andrea Schmidt. Sie fügt an: "Dazu gehören auch Postkarten, Briefe, Haushaltsbücher, Poesiealben und Reiseberichte aus mehreren Jahrhunderten. Die Brautbriefe der damaligen Zeit waren ausführlich, regelmäßig, aber im Vergleich zu heute diskret. Man erfährt eher zwischen den Zeilen, wie groß die Zuneigung und auch die Hoffnungen der Beteiligten waren."

Die tausende Feldpostbriefe waren meist zensiert, sodass heute wenig darüber zu erfahren ist, wie es den Soldaten im Schützengraben wirklich ging.

Das Tagebuch der Erzieherin von Prinzessin Katharina Friederike

Auch liegt das Tagebuch der damals 20-jährigen Berta von Biberstein († 1894) aus. Als Erzieherin der gerade 14-jährigen Prinzessin Katharina Friederike war sie im Jahr 1834 auf einer Italien-Reise von Wilhelm I. von Württemberg mit dabei. Auf hundert Seiten beschreibt sie die Mühen der Reise in den Kutschen, die Veränderung der Landschaft und die Begegnung mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen.

Parallel zum Tagebuch schreibt sie auch Briefe an ihren Bruder Wilhelm, der Seminarist in Urach war. Ihm vertraut sie auch ihre Sorgen an, dass der Erziehungsauftrag für ihren weiblichen "Pflegling", wie sie schreibt, ihr manchmal auch Kummer bereite: "Ich muß streng sein".

Neben dem Tagebuch kann auch die Brieftasche mit etwa 100 Briefen im Archiv für Familienforschung eingesehen werden.

Öffnungszeiten & weitere Infos

Das Stadtarchiv im Eltinger Rathaus in der Carl-Schmincke-Straße 37 (Saal-Eingang) öffnet von 9.30 bis 15 Uhr. Archivführungen finden um 10 Uhr, 11.30 Uhr und 14 Uhr statt.

Das Archiv in der Seedammstrasse 1 (UG Seedamm-Center) öffnet seine Türen von 10 bis 15 Uhr. Führungen mit etwa 30-minütigen Bildpräsentationen finden um 11.30 Uhr und 14 Uhr statt.

Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch unter 07152 990-1430.

 

Lesepaten gesucht

Übrigens sucht das Stadtarchiv "Lesepaten" und "Lesepatinnen", die interessante Archivalien durch eine Abschrift für alle verständlich machen. Interessierte können sich unter 07152 990-1430 melden.