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Tag des offenen Denkmals am 8. September 

Er findet statt unter dem Motto "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur".

Das Motto zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, den 8. September lässt zuerst an einen urbanen Kontext denken. Es gilt selbstverständlich für alle mittleren und kleinen Städte sowie den ländlichen Raum.

In Leonberg und in den Teilorten nehmen Einrichtungen und Stätten teil, die heute als historisch angesehen werden, in ihrer Entstehungszeit die Merkmale eines Umbruches aufwiesen oder als modern galten. Sie standen für einen Wandel, der sich markant von bestehenden Traditionen, Vorstellungen und Handlungsweisen absetzte. In Kunst und Architektur manifestieren sich gesellschaftliche, kulturelle und politische Umbrüche sehr dauerhaft.

Umbrüche finden sich jedoch überall, auch in Kleindenkmalen und technischen Anlagen. Nachfolgend lesen Sie, was Sie zum Denkmaltag alles entdecken können.

Pomeranzengarten


Im Jahr 1609 erreichte die Renaissance-Kultur das Amtsstädtchen Leonberg. Herzogin Sibylla bezog ihren Witwensitz im Schloss. Der herzogliche Baumeister Heinrich Schickhardt sorgte für eine standesgemäße Ausstattung und realisierte an dem abschüssigen Südhang einen terrassierten Lustgarten. 29 Leonberger Bürger mussten ihre Gärten für das Bauwerk hergeben.

Die mentalitätsgeschichtlichen Umbrüche der Zeit spiegeln sich in Sibyllas Lustgarten: italienische Gärten dienten als Vorbild, Symmetrie ordnet die Beete und die Bepflanzung, Pflanzen aus aller Welt werden gesammelt und erkundet, Gottesfürchtigkeit, adeliges Statusdenken, religiöse Motive und naturwissenschaftliches Interesse durchwirken die einzigartige Anlage.

Im September ist der Pomeranzengarten von 8 bis 20 Uhr zugänglich.


Stadtmuseum Leonberg


Das Stadtmuseum, die ehemalige Lateinschule, verdankt ihre Existenz reformatorisch-inspirierter Gesetzgebung des Herzogs Christoph. Einer der ersten Schüler, die hier den Grundstein ihrer Bildungs- und Wissenschaftskarriere, ihres Ruhmes und genialen Könnerschaft legten, war der Mathematiker, Astronom und Theologe Johannes Kepler.

Die zahlreichen architektonischen Veränderungen des Gebäudes sind grafisch-anschaulich präsentiert und an den im Gebäude verteilten "Baugeschichtsfenstern" einzusehen.

Im Stadtmuseum startet die Schatzsuche für Familien, die zu Kleindenkmalen in der Altstadt führt. Der Erkundungsgang führt durch den Pomeranzengarten und zum Geburtshaus Friedrich Schellings, einem der innovativsten Denker seiner Zeit.

Das Stadtmuseum ist sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.


Bauernhausmuseum Gebersheim


Göpelhaus mit Säulengöpel

Noch dachte niemand an die Vorzüge einer flächendeckenden Stromversorgung und Elektromotoren - die zogen 1908 in Gebersheim ein. Aber das Bestreben, sich bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten mit Hilfe von mechanischen Geräten Erleichterung zu verschaffen, führte zu mancher technischen Innovation.

1891 errichtete der Gebersheimer Bauer Wilhelm Bolay neben seiner Scheune eine ziegelgedeckte Dachkonstruktion mit einem Göpel. Die Kraft von einem oder zwei Zugtieren trieb die Konstruktion aus Zahnkranz, Kegelrad, Kupplungstransmission und Flachriemen an und setzte eine kleine Dreschmaschine, eine Futterschneidemaschine oder einen Heuaufzug in Gang. Beim Dreschen von Getreide erzielte dieser einfache Göpel die zehnfache Leistung gegenüber dem Dreschen mit dem Flegel.

Das Gebersheimer Göpelhaus ist ein besonderes Denkmal: Von den ehemals über 500.000 Göpeln in Württemberg ist es eines der wenigen am ursprünglichen Ort erhaltenen Gebäude dieser Art.

Das Bauernhausmuseum hat sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet und gewährt am Tag des offenen Denkmals freien Eintritt.


Alter Engelbergtunnel, KZ-Gedenkstätte


Der Engelbergtunnel war der erste Autobahntunnel in Deutschland. Schon immer schrieben Tunnel auch politische Geschichte, so auch der Engelbergtunnel, der vom Prestigeobjekt der Nationalsozialisten zum regionalen Symbol der NS-Gewaltherrschaft wurde.

Sie hören und sehen von der Geschichte des Tunnels, von der Planung 1934 bis heute. Sie erfahren, warum überhaupt der Engelbergtunnel gebaut wurde. Sie erkennen, wie man modern baute und dann die Moderne verbrämte. Und Sie sehen, wie aus einem Tunnel zur Freude für die Volksgenossen im neuen KdF-Wagen eine bombensichere Fabrik wurde, die die Tragflächenfertigung des Messerschmitt-Düsenjägers Me 262 barg. Und Sie werden erfahren, unter welchen Bedingungen insgesamt 5.000 Männer im KZ Leonberg und in der Messerschmitt-Fabrik vom Frühjahr 1944 bis April 1945 lebten und auch starben – der Rüstungskomplex "Tunnel und Lager" wurde ein Ort nationalsozialistischer Entmenschlichung.


Lahrensmühle


Seit Jahren ist die Mühle Ort für kulturelle Veranstaltungen und ist seit langer Zeit auch stets zum Tag des offenen Denkmals geöffnet. Interessierte können sich in den Gebäuden und auf dem Gelände umschauen. Wie es sich für ein historisches Mühlenensemble gehört, ist an erster Stelle natürlich das Wasserrad wieder in Bewegung.

10 bis 16 Uhr: Das einzige funktionierende Mühlrad an der Glems wurde 2013 in unentgeltlicher Arbeitsleistung vom Zimmergeschäft Ziegler auf der historischen Mühlradwelle neu erbaut, nachdem zahlreiche Privatspenden den Kauf des Materials hierfür ermöglicht hatten. Besichtigt werden können auch das Getriebe und das Räderwerk im Inneren der Mühle, das durch die Kraft des Mühlrads in Bewegung gesetzt wird.

10 bis 16 Uhr: Hungrige Besucher erwartet die Backspezialistin Erika Quast vor dem historischen Backofen der Lahrensmühle mit zahlreichen duftenden Spezialitäten, die holzofenfrisch natürlich besonders gut schmecken.

10 bis 19 Uhr: Die "Fachwarte für Obst und Garten" garantieren nicht nur eine feine Bewirtung rund um den Apfel, sondern bieten auch handfeste Informationen zu Streuobstwiesen, Naturschutz und Landschaftspflege. Dazu gehört auch die Auswahl der richtigen Nistkästen für heimische Vögel. Hier zeigen die Fachwarte eine ganze Auswahl. Wer sich selbst betätigen will, kann vor Ort einen Nistkasten-Bausatz zusammenbauen. Für Kinder ist das Pressen von Apfelsaft direkt von der Streuobstwiese stets eine Attraktion. Die Erwachsenen werden sich eher für den korrekten Baumschnitt interessieren.

18 Uhr: Traditionell endet der Tag mit "Lyrik und Jazz in der Lahrensmühle" - diesmal mit der Fityan-Band mit Mohamad Fityan (Nay / arabische Bambusflöte), Jörg Teichert (E-Gitarre), Jonathan Sell (Bass) und Konrad Wiemann (Drums, Percussion). Lassen Sie sich überraschen.

Karten für "Lyrik und Jazz in der Lahrensmühle" gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Röhm im Leo-Center oder an der Abendkasse. Es ist im Vorverkauf und an der Abendkasse nur Barzahlung und keine Kartenzahlung möglich.