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Objekt des Monats: Gottes Schutz fürs Haus und seine Bewohner 

Ein so genannter "Haussegen" ist das Objekt des Monats Juli im Stadtmuseum. 

Unter "Haussegen" versteht man Segenssprüche, die im oder am Haus angebracht werden

Sie sollten das Haus, seine Bewohner sowie deren Besitz unter den Schutz Gottes stellen sowie zur Gottesfurcht ermahnen. Ursprünglich waren sie auf die Wand geschrieben oder in Holzbalken geschnitzt. Auf Papier gedruckte Haussegen hingen zumeist im Flur.

Mit der Erfindung moderner Bilddrucktechniken wurden weltliche und religiöse Bildmotive im 19. Jahrhundert zur Massenware und für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Auch Haussegen in Form von billig produzierten Drucken kamen bei beiden christlichen Konfessionen in Mode.

Zumeist sind die Motive keinen Künstlern zuzuordnen - bei dem als Objekt des Monats gezeigten Haussegen ist der Urheber jedoch bekannt

Es ist Ludwig Richter († 1884), ein überaus erfolgreicher Maler und Zeichner sowie einer der bekanntesten Buchillustratoren des 19. Jahrhunderts. Seine Holzschnitte etwa für die Märchen der Brüder Grimm sind bis heute populär.

Anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Heinrich schuf Ludwig Richter 1859 einen gezeichneten Haussegen, der als Holzschnitt und ab den 1870er Jahren auch als Lithographie große Bekanntheit erlangte. Die Zeit seines Erscheinens war geprägt von Debatten über Kunstgeschmack und über die Qualität christlicher Kunstwerke als Mittel der religiösen Volkserziehung. Wie andere weltliche und christliche Kunstvereine auch, verteilte der Württembergische christliche Kunstverein sogenannte Kunstgaben an seine Mitglieder. Eines der ersten Blätter dieser Art war der Christlichen Haussegen von Ludwig Richter, der dem Verein als vorbildlicher christlicher Künstler galt.

Das gezeigte Blatt im zeitgenössischen Rahmen ist im Gegensatz zu den frühen Auflagen kein Holzschnitt, sondern eine kostengünstig hergestellte Farblithographie, die folglich nicht vor 1875 entstanden ist.

Öffnungszeiten des Stadtmuseums

Das Stadtmuseum ist dienstags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.