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Konzeptkünstler Ottmar Hörl stellt im Galerieverein "ALL IN" aus 

Am Sonntag, den 23. Juni um 11.15 Uhr findet im Galerieverein Leonberg die Vernissage der Ausstellung "ALL IN" von Ottmar Hörl statt. 

Nach einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Georg Cohn stellt Kulturamtsleiterin Alexa Heyder im Gespräch mit dem Künstler die Ausstellung vor

Anlässlich seiner Installation "Der Leonberger" auf dem Marktplatz hat die Stadt Leonberg den deutschen Konzeptkünstler Ottmar Hörl auch zu einer Einzelausstellung in den Galerieverein Leonberg eingeladen. Mit neuen Arbeiten richtet Ottmar Hörl den Blick auf Fragestellungen zu Kunst im Kontext ihrer gesellschaftlichen Funktion sowie zu Kunst und Skulptur per se.

"Ich entschied mich als Künstler früh, nicht nur für eine Elite, sondern für die gesamte Gesellschaft zu arbeiten", sagt Ottmar Hörl. So entwickelt und realisiert er seit den 70er Jahren bis heute künstlerische Kommunikationsmodelle
für den öffentlichen Raum.

Seine Werkreihe "ALL IN" ist eine weitere Referenz zum Ideenkomplex einer "Kultur für alle"

Skulptur für Visionäre, Philosophen, Hausfrauen, Influencer, Spione, Gauner und Psychopaten - im Galerieverein zeigt Hörl eine Auswahl von etwa 100 Aluminiumschildern im Format von circa 25 x 20 Zentimeter mit drei Worten als
Dreizeiler, mittig positioniert: Skulptur für Atheisten, Skulptur für Opportunisten oder Skulptur für Europäer – ist in schwarzer Schrift auf Aluminium oder in weißer Schrift auf Schwarz gedruckt.

Dahinter steht die philosophische Frage: Wer ist eigentlich "alle"?

Und: Welche Ordnungskriterien stehen zur Kategorisierung von Gruppen einer Gesellschaft zur Verfügung? Herkunft, Tätigkeiten, Persönlichkeitsstruktur, Eigenschaften? Der Versuch einer relativ subjektiven Bestandsaufnahme trägt durch die Umsetzung letztlich auch Momente der Irritation, des Absurden und Ironischen in sich und beweist, "dass die Kraft der Poesie keineswegs unvereinbar mit dem Hang zur Radikalität ist." (Quelle des Zitats: Karlheinz Schmid: Kunst-Geschichten. Von heute für morgen, München 1992)

Weit entfernt davon, klassische Bildhauerei zu praktizieren, schließt Hörl die Vorstellungskraft des Betrachters mit ein

Er entwickelt damit die Skulpturenideen in seinen Werken wie Strukturformeln für Farben (2000), Wandzeichnung (2000) oder Alexander von Humboldt: Naturgemälde (2008) weiter.

"Durch die sprachliche Beschreibung wird unmittelbar eine Idee von Skulptur entworfen. Der Betrachter liest ‚Skulptur für …‘ und stellt sich diese in seinen ganz eigenen Bildern vor. Es entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Sprache und Vorstellung. Somit ist die Arbeit auch eine symbolische Darstellung dessen, wie in uns Bilder entstehen", sagt Ottmar Hörl über diese Werkreihe.

Die neue Werkserie mit dem Titel "Zu Höherem berufen" (2019) bezieht sich auf die Auseinandersetzung mit Grundfragen von Skulptur und Material. So kommt hier ein Material zum Einsatz, das vor allem in der Architektur, beispielsweise der Konstruktion von Dächern, verwendet wird, im Alltag jedoch kaum Beachtung findet: Die Dachlatte.

Ottmar Hörl hat Stücke auf eine Länge von jeweils ca. 25 bis 35 Zentimeter geschnitten, schwarz eingefärbt und in verschiedenen Neigungen einzeln auf Sockeln installiert. In der Reihung entfaltet sich das gesamte visuelle Potential.

"Ich versuche, die natürlichen Talente eines Materials zu erfassen, es so zu positionieren, dass es über den Gegenstand hinaus eine andere Darstellung entwickelt"

beschreibt der Künstler seine Arbeit. Ottmar Hörl (*1950) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Wertheim. 1985 gründete er mit den Architekten Gabriela Seifert und Götz Stöckmann die interdisziplinäre Gruppe Formalhaut.


Bis 2018 lehrte er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und leitete die Institution bis 2017 als Präsident. Bekannt wurde er vor allem durch radikale, konsequente, innovative Werke sowie durch Großprojekte mit seriellen Skulpturen im öffentlichen Raum. Hörls Werk wurde mit Preisen wie dem art multiple-Preis, dem Wilhelm-Loth-Preis oder dem intermedium-Preis ausgezeichnet. So würdigte der hessische Kulturminister Boris Rhein beispielsweise 2015 Hörls Leistung auf dem Feld der Demokratisierung von Skulptur anlässlich der Verleihung des CREO-Preises durch die Deutsche Gesellschaft für Kreativität e.V. (Mainz) an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Hörls Arbeiten sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten

Wie dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt a.M., der Albertina Wien in Österreich, dem Daegu Art Museum in Südkorea oder dem San Francisco Museum of Modern Art in den USA. Zeitgleich zur Ausstellung in Leonberg sind weitere institutionelle Ausstellungen von Ottmar Hörl wie "Fremde Wesen" im Kunstverein Kirchzarten; "Portfolio – Wild Thought" in der Biblioteca Nazionale Marciana parallel zur 58. Esposizione Internationale d´Arte, La Biennale di Venezia in Italien und die Installation "Jeder gegen Jeden" in der Kunsthalle Schweinfurt sowie die Installation "Lunch Break" in Kooperation mit KHBT anlässlich des London Festival of Architecture zu sehen.

Öffnungszeiten Galerieverein & Führungen

Die Ausstellung im Galerieverein Leonberg, Zwerchstraße 27, ist bis 4. August, jeweils von Dienstag bis Donnerstag, sowie am Samstag und Sonntag immer von 14 bis 18 Uhr sowie zusätzlich am Montag, den 24. Juni von 14 bis 18
Uhr zu sehen.

Öffentliche Führungen finden an den Sonntagen, 14. Juli und 4. August, jeweils um 16 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Informationen unter www.galerieverein-leonberg.de oder kunst@leonberg.de bzw. unter Telefon 07152 990-1401.