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Wie aus Martin G. Kaufmann Martin Georg Cohn wurde

"Zurück zu familiären Wurzeln und noch einen Schritt weiter"

Mit seinem neuen Namen Martin Georg Cohn geht Leonbergs Oberbürgermeister zurück zu den familiären Wurzeln. Wie in der vergangenen Amtsblattausgabe angekündigt, lesen Sie hier im Interview seine ganz persönlichen Beweggründe für diesen Schritt.

Weder Neuwahl noch Hochzeit

Herr Kauf ... , sorry, Herr Cohn, dürfen wir zur Hochzeit gratulieren?
Wieso?

Weil Sie doch nun Cohn heißen.
Nein, so ist es nicht. Ich lebe zwar in einer glücklichen Beziehung, aber ich habe weder geheiratet noch den Namen meiner Partnerin angenommen.

Oh. Jetzt sind wir aber gespannt, warum Sie nicht mehr Kaufmann heißen ...
Der Grund ist ganz einfach. Weil der Name Kaufmann ursprünglich gar nichts mit mir zu tun hat. Das ist weder der Name meines Vaters, noch der Geburtsname meiner Mutter.

Sondern?
Der Name des ehemaligen Mannes meiner Mutter. Sie hatte ihn 1969 geheiratet. Da war ich drei Jahre alt. Er hieß Kaufmann, sie hieß Kaufmann – und als ich kurz vor der Einschulung gestanden hatte, meinte er: "Junge, Du nimmst jetzt auch den Namen an, damit wir alle Kaufmann heißen."

Das klingt doch vernünftig.
Absolut, ich finde das auch rückblickend nicht schlimm. Bitte nicht falsch verstehen. Aber irgendwann kam ich zu dem Punkt, dass das nicht mehr zu mir passt.

Mit dem neuen Namen in das neue Lebensjahr

Wieso ausgerechnet jetzt?
Das war so eine Gesamtgemengelage. Ich hatte dieser Tage Geburtstag. Da passt es, das neue Lebensjahr mit dem neuen, also alten, Namen zu beginnen. Außerdem werde ich immer wieder darauf angesprochen, ob ich mit diesem oder jenen Kaufmann verwandt bin. In solchen Momenten wird mir dann immer klar, dass die "Kaufmanns" gar nicht meine Wurzeln sind. Zum anderen habe ich das Stammbuch meiner Familie aus dem 19. Jahrhundert bekommen, von da an hat mich das Thema interessiert und ich habe mich mit dem Stammbaum und meinen Wurzeln befasst. Und je mehr ich das getan habe, desto weniger habe ich mich als "Kaufmann" gefühlt. Dazu hat mich das Ganze noch an mein Versprechen an meinen Großvater Georg erinnert.

Welches Versprechen?
Er hat mich gebeten den Familiennamen "Cohn" weiterzuführen.

Haben Sie seinetwegen den Zweitnamen Georg?
Nicht nur. Sowohl mein Großvater als auch Urgroßvater hießen Georg. Sogar meine Mutter. Na gut, die heißt Georgia.

Zurück zu den Wurzeln

Woher kommt ihre Familie?
Aus Westfalen. Mein Großvater war Hotelier und hatte Betriebe in Bielefeld, Paderborn und Kamen. Die Stadt ist bekannt, ähnlich wie Leonberg, durch das Kamener Kreuz.

Und jetzt haben Sie endlich wieder Ihren Geburtsnamen Cohn.
Nein nicht ganz. Ich wurde unter dem Namen Kühn geboren.

Jetzt verstehen wir gar nichts mehr ...
Ja, es ist auch nicht ganz einfach. Meine Familie hat jüdische Wurzeln und hat aus Angst vor Verfolgung 1931 ihren Namen von Cohn in Kühn geändert.

Aha. Und Sie haben sich gedacht, wenn ich schon den Schritt zurück zu den Wurzeln mache, dann in aller Konsequenz.
Genau. Wenn schon, dann richtig.

Ein gutes Gefühl, den ursprünglichen Familiennamen zu tragen

Leiden Sie gerade unter der Umstellung?
Leiden? Wieso?

Na, weil Sie jetzt sicherlich noch oft Kaufmann sagen, wenn Sie ans Telefon gehen oder wenn Sie sich vorstellen. Oder auch beim Unterschreiben von Dokumenten liegt doch das "Kaufmann" noch näher.
Beim Telefonieren oder Vorstellen geht das schon ganz gut, das mit der Unterschrift ist noch ein wenig komplizierter, weil ich es wahrscheinlich noch ein wenig unbewusster mache. Aber das ist alles kein Problem, das sind nur kleine Startschwierigkeiten. Viel wichtiger ist das wunderbare Gefühl, das ich habe, endlich den ursprünglichen Namen meiner Familie zu tragen.

Das Interview mit Herrn Oberbürgermeister Cohn führte Thomas K. Slotwinski, Redaktionsleiter der Leonberger Kreiszeitung.