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Holocaustgedenken mit Familie des ehemaligen KZ-Häftlings Ernst Israel Bornstein

Die Feier zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus, dem Holocaustgedenktag, am vergangenen Freitag im Haus der Begegnung bekam durch die Anwesenheit der Familie des Leonberger KZ-Häftlings Ernst Israel Bornstein eine besondere Note. Die Vorsitzende der KZ-Gedenkstätteninitiative, Marei Drassdo, wie auch Oberbürgermeister Martin Kaufmann als Vertreter der mitveranstaltenden Stadt, konnten die Witwe, Renee Bornstein, sowie die Kinder Dr. Noemi Lopian, Muriel Davis und Alain Bornstein begrüßen. Besonderer Anlass, gerade diese Familie nach Leonberg einzuladen, war die Präsentation des Buches "Die Schicksale von sieben Häftlingen des KZ Leonberg", zu denen auch Ernst Israel Bornstein gehört.

Das Buch sei für die Initiative nicht nur eine interessante Lektüre, sondern ein Arbeitsbuch, sagte dessen Herausgeber Eberhard Röhm in der einleitenden Übersicht über das 300-seitige, stark bebilderte Werk. Seit keine Zeitzeugen vor Leonberger Schulklassen mehr ihre Lebensgeschichte erzählen können wie vor einem Jahrzehnt noch - fast alle sind inzwischen verstorben -, sind solche, von der Initiative für das Buch erarbeiteten Biographien die Grundlage zur Erarbeitung von Referaten durch einzelne Schüler, die mit ihren Klassen regelmäßig auf dem Weg der Erinnerung geführt werden.

An diesen Gedanken knüpfte Oberbürgermeister Martin Kaufmann in seinem Grußwort an und stellte dar: "Jugendliche interessieren sich für die NS-Zeit; sie sind bereit, sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Aber sie brauchen auch einen Zugang zu einer Zeit, die für sie weit zurückliegt, und zu einer Welt, die ihnen fremd ist. Deshalb haben wir immer wieder nach neuen Wegen zu suchen, Geschichte und das, was sie uns sagen kann, zu vermitteln. Das heute vorgestellte Buch ist ein solcher Weg und ein sehr gutes, weiteres Medium, die Wahrheit zu verbreiten. Ihre aktuellen Recherchen zeigen sieben Leonberger KZ-Häftlings-Schicksale auf und dokumentieren sie in einem Buch. So werden die Opfer aus Anonymität und Vergessen gerissen, Ihnen wird ein Gesicht gegeben. Dafür danke ich der KZ-Gedenkstätteninitiative sehr herzlich."

Die Nachfahren von Ernst Israel Bornstein wie seine Ehefrau bekamen am Nachmittag vor der Veranstaltung die Gelegenheit, in Begleitung der beiden Vorsitzenden der KZ-Gedenkstätteninitiative Marei Drassdo und Eberhard Röhm die von ihrem Vater beschriebenen, noch in den 60ger Jahren anonymen Orte aufzusuchen und konnten sich überzeugen, dass überall inzwischen Informationstafeln auf dem "Weg der Erinnerung" stehen, die über das unfassliche Geschehen vor 70 Jahren aufklären. So bedankte sich auch der Sohn Alain Bornstein in seiner Schlussrede für die Arbeit der Gedenkstätte. Er zitierte aus einer Rede seines Vaters bei einer Gedenkfeier im ehemaligen Lager Dachau im Jahre 1978, drei Monate vor seinem Tod. Seinen Kindern hinterließ er das Vermächtnis, dass sie gegen die Behauptung, der Holocaust sei nur ein Märchen, aufstehen und Zeugen der historischen Fakten sind. Für die KZ-Gedenkstätteninitiative bedeutet der Abend, dass sie im Sinne eines Generationswechsels in Zukunft vermehrt Kontakte sucht zu Kindern und Enkeln der ehemaligen KZ-Häftlinge und diese auch nach Leonberg einlädt.

 

Zum Buch

Eberhard Röhm (Hg.): Die Schicksale von sieben Häftlingen des KZ Leonberg. Biographien Leonberger KZ-Häftlinge Band 2, Eigenverlag KZ-Gedenkstätte Leonberg e.V., 340 S., gegen eine Spende von 15 EUR; Bezug: Marei Drassdo (madras@drassdo.de, Telefon 07152 41975), Eberhard Röhm (eberhard.roehm@t-online.de, Telefon 07152 26640)