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Die Schicksale von sieben Häftlingen des KZ Leonberg

Buchpräsentation anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Aus Anlass des Holocaustgedenktages findet am Mittwoch, 31. Januar um 19.30 Uhr im großen Saal des Hauses der Begegnung, Eltinger Str. 23, eine gemeinsame Veranstaltung der KZ-Gedenkstätteninitiative, der Ev. Erwachsenenbildung und des Kulturamts der Stadt Leonberg statt.

Zweiter Band mit sieben Biografien

Nach dem 2008 erschienenen ersten Band mit 22 Biographien Leonberger KZ-Häftlinge "Aus vielen Ländern Europas" legt die KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg in diesem Jahr einen weiteren Band mit jetzt sieben teils spektakulären Biographien Leonberger KZ-Häftlinge vor. Diese lassen nicht nur die Vielfalt an Persönlichkeiten erkennen, die nur zum Teil das Leonberger KZ überlebt haben. Sie eignen sich auch in besonderer Weise als Grundlage für Referate von Schülern, die an Führungen auf dem "Weg der Erinnerung" teilnehmen.

Präsentation des Buches

Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Martin Kaufmann wird das Buch von drei der Autoren vorgestellt. Als Ehrengäste werden Nachfahren der im Buch vorgestellten ehemaligen Häftlinge erwartet: Alain Bornstein, der Sohn von Ernst Israel Bornstein (London) sowie Prof. Dr. Paul Fisch, der Sohn von Dr. Arthur Fisch, mit seiner Familie.

Der Eintritt zu der Gedenkveranstaltung ist frei. Spenden willkommen.

Worte von Oberbürgermeister Martin Kaufmann

"Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar erinnert uns daran, dass vor 72 Jahren die überlebenden internierten Juden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit wurden. Für 6 Millionen Jüdinnen und Juden sowie für unzählige Zwangsarbeiter hingegen kam jede Hilfe zu spät. Auschwitz steht seither sinnbildlich für den Massenmord im Dritten Reich und für jede einzelne grausame Tat gegen Menschen, die für schuldig erklärt wurden, weil sie lebten.

Was damals geschehen ist, darf nicht vergessen werden. In Leonberg wird die Erinnerungskultur nicht nur organisiert, sondern gelebt. Dies ist insbesondere durch das unermüdliche Engagement der in der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg Aktiven möglich. Ihre aktuellen Recherchen zeigen sieben Leonberger KZ-Häftlings-Schicksale auf und dokumentieren sie in einem Buch. So werden die Opfer aus Anonymität und Vergessen gerissen, Ihnen wird ein Gesicht gegeben. Dafür danke ich der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg sehr herzlich", so Oberbürgermeister Martin Kaufmann.


Zum Inhalt des Buches: Die Schicksale von sieben Leonberger KZ-Häftlingen

Holger Viereck, Dozent an der Uni Stuttgart und der PH Ludwigsburg, beschreibt das Leben von Samuel Pisar, geboren 1928 in Bialystok/Polen, der Auschwitz und Leonberg überlebt hat. Danach brachte er es zu einem der bedeutendsten Anwälte für internationales Wirtschaftsrecht mit Kanzleien in Paris, London und Washington. Er war Berater für mehrere amerikanische Präsidenten u.a. auch für John F. Kennedy.

Eberhard Röhm verfasste die Biographien von drei ehemaligen Leonberger KZ-Häftlingen. Ernst Israel Bornstein durchlief sieben Lager und wurde nach dem Todesmarsch Ende April 1945 in Bayern befreit. Er studierte Zahnmedizin und war nach dem Krieg Zahnarzt in München. 1962 besuchte er Leonberg und war entsetzt über die totale Verdrängung der Geschichte des KZ in unserer Stadt. Sein damaliger Bericht in einer Zeitschrift für Verfolgte des Nazi-Regimes ist jetzt im Wortlaut im Buch nachlesbar.

Auch stellt Eberhard Röhm zwei berühmte Architekten aus Warschau vor. Sie hatten dem sogenannten Baubüro in Auschwitz angehört und waren anschließend im KZ Leonberg. Szymon Syrkus gehörte schon vor seiner KZ-Zeit zum internationalen Kreis der Avantgarte um Le Corbusier und baute in Warschau Sozial-Siedlungen im Bauhausstil. Ludwik Lawin, ebenfalls ein Warschauer, hat in Auschwitz als Mitglied des "Baubüros" den Ziergarten des Kommandanten entworfen und war nach dem Krieg ein bedeutender Gartenbauarchitekt seiner Heimatstadt.

Der holländische Zeithistoriker Geert C. Hovingh beschreibt das Leben eines der bekanntesten holländischen Widerstandskämpfer Jan Wildschut, der in Leonberg verstorben ist.

Holger Korsten, Vorstandsmitglied der KZ-Gedenkstätteninitiative, steuert zwei Biographien für den Band bei. Er berichtet über das Leben von Dr. Arthur Fisch, der aus der Ost-Slowakei stammt, nach der Befreiung Medizin in Prag studierte. Später, in den Jahren nach 1968 flüchtete er nach Deutschland und wurde Arzt in Bremen. Besonders interessant ist die Biographie von Wilhelm Lechner aus München. Er kam wegen Wilderei ins KZ, wurde in Leonberg Stubenältester und fand Kontakt mit Menschen außerhalb des Lagers, so dass er unzensiert Briefe an seine Frau schicken konnte. Zum ersten Mal werden damit Briefe eines Häftlings aus dem Leonberger KZ veröffentlicht. Wilhelm Lechner meldete sich freiwillig zur Wehrmacht, um dem KZ zu entkommen. Nachdem er nicht angenommen wurde, meldete er sich, um der Hölle des KZs in Leonberg zu entkommen, zur SS in die Sondereinheit Dirlewanger. Er starb im August 1944 bei Kämpfen in Warschau.


Weitere Informationen zum Buch

Das Buch: Eberhard Röhm (Hg. im Auftrag der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg)

Die Schicksale von sieben Häftlingen des KZ Leonberg. Biographien Leonberger KZ-Häftlinge Band 2, 340 Seiten, Eigenverlag KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e.V., 2017. Autoren: Holger Viereck, Eberhard Röhm, Gert C. Hovingh, Holger Korsten.

Das Buch kann am Präsentationsabend gegen eine Spende von 15 EUR erworben werden, später auch über die KZ-Gedenkstätteninitiative.