Seiteninhalt

In einem Jahr vom 242. zum 323. Pferdemarkt?

Im Jahr 2013 lud die Stadt Leonberg noch zum 242. Pferdemarkt ein, ein Jahr später wirbt sie bereits für den 323. Pferdemarkt!

Umfangreiche Archivforschung

Das ist möglich dank der umfangreichen Forschung der Historikerin Ina Dielmann, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Stadtarchivs Leonberg. Sie wies anhand von Rechnungsbüchern, Zeitungen und Akten nach, dass der Markt seit seiner Einführung im Jahr 1684 lediglich acht Mal ausgefallen ist: wegen Maul-und Klauenseuche in den Jahren 1911, 1915, 1938, 1939, 1941 und 1966, wegen des Krieges in den Jahren 1942 und 1945.

Folgt man der Leonberger Legende, entstanden nach 1930, wäre der Markt wegen Kriege und Seuchen 88 Mal ausgefallen. Glücklicherweise mussten die Leonberger nicht so viele Heimsuchungen erleiden, das ist jetzt endgültig bewiesen.

Wie kam es tatsächlich zur falschen Zählung?

Erst seit 1920 werden die Pferdemärkte überhaupt gezählt. Damals feierten die Leonberger das 150-jährige Jubiläum – kriegsbedingt mit Verspätung.

Bezugspunkt war das Jahr 1768, als Herzog Karl Eugen von Württemberg auf dem Leonberger Roßmarkt 24 Pferde kaufte. Sein Adjutant vermerkte den Kauf in seinem Tagebuch. 1911 wurde dieses Tagebuch veröffentlicht und die Leonberger fanden darin vermeintlich die Ersterwähnung ihres Pferdemarkts. Sie wussten, er war älter, meinten aber "100 Jährchen hin oder her spielen da keine so große Rolle" (Leonberger Tagblatt, 9. 2. 1920).

Im Jahr 1921 fand folgerichtig der 151. Pferdemarkt statt, im Jahr 1922 der 152. usw. So konsequent und rechnerisch korrekt ging es in späteren Jahren nicht zu, z. B. wurden ausgefallene Märkte einfach mitgezählt.

Seit 1930 war dank der Forschung des Stuttgarter Historikers Prof. Dr. Ernst bekannt, dass der Pferdemarkt im Jahr 1684 eingeführt worden war. Die in der Zählung nun offensichtlich fehlenden Märkte ließ "man" kurzerhand den Kriegen und Seuchen zum Opfer fallen.