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09.11.2019

An die Wende erinnert im Stadtpark ein Stück Berliner Mauer 

Heute vor 30 Jahren überschlugen sich die Ereignisse an den deutsch-deutschen Grenzen. An nur einem Abend geschah, was zuvor 40 Jahre lang undenkbar erschien: Die Mauer fiel. 

Regelung zur Ausreise in die BRD - ohne Recht auf Rückkehr  

Wir schreiben den 9. November 1989. Kurz vor 19 Uhr antwortet Günter Schabowski, der erste Sekretär der damaligen SED-Bezirksleitung Berlin und Sprecher des SED-Zentralkomitees, auf Nachfrage zweier Journalisten: "Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich." Bezogen ist die Aussage auf eine neue Ausreiseregelung, die eigentlich mit diversen Auflagen erst ab dem nächsten Tag gelten soll.

Die Richtlinie ist für die ständige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland – ohne Recht auf Rückkehr – gedacht. Sie soll den anhaltenden Ausreisestrom über die Tschechoslowakei stoppen. "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt", hieß es in dem Passus der Regelung.

Eilmeldung am 9. November 1989, 19.05 Uhr: DDR öffnet Grenze

Nach den Aussagen Schabowskis verbreitet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) um 19.05 Uhr als Eilmeldung "DDR öffnet Grenze". Weiter heißt es in der Mitteilung: "Die DDR öffnet nach Angaben von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski ihre Grenzen. Dies sei eine Übergangsregelung bis zum Erlaß eines Reisegesetzes, sagte Schabowski."

Eine halbe Stunde vor Mitternacht öffnen an den ersten Grenzübergängen die Tore

Bereits gegen 20.30 Uhr treffen die ersten DDR-Bürger an den Berliner Grenzübergängen Invalidenstraße, Sonnenallee und Bornholmer Straße ein, um sich zu vergewissern, wie die Situation vor Ort ist. Gegen 23 Uhr drängen tausende Menschen an der Bornholmer Straße von hinten nach vorn. Niemand ist sich sicher, ob es sich nun um ein Gerücht, einen Versprecher oder tatsächlich um eine gültige Entscheidung handelt.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschließen sich einzelne Grenzkommandanten, die Tore einfach zu öffnen. Die Mauer ist gefallen.

Ein Stück der Mauer aus Berlin-Neukölln steht heute im Stadtpark

Ein Zeugnis dieses geschichtsträchtigen Ereignisses, das sich dieser Tage zum 30. Mal jährt, findet sich im westlichen Teil des Leonberger Stadtparks: Ein Stück der Berliner Mauer. Dieses kam im Sommer 1990 an den Engelberg.

Im Rahmen einer Skulpturen-Ausstellung, an der sich neun Bildhauer der damaligen DDR beteiligten, hatte der Leonberger Künstler Hans Sailer, damals verantwortlich für die Ausstellung, als Entreé der Schau ein bemaltes Stück der Berliner Mauer aufgestellt. Dieses trennte zuvor, an der Grenze der Partnerstadt Berlin-Neukölln gelegen, Ost- von West-Berlin.

Seit fast 50 Jahren: Städtepartnerschaft zwischen Leonberg und Berlin-Neukölln

Die Partnerschaft mit Neukölln besteht nun schon seit 49 Jahren. Im kommenden Jahr im Herbst wird das 50-jährige Jubiläum gefeiert. "Auf Anregung der Leonberger Bürgeraktion Berlin-Neukölln kam es im Jahre 1970 zu Gesprächen zwischen beiden Stadtverwaltungen mit dem Ziel, die gegenseitigen Beziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen", heißt es in einem entsprechenden Aktenvermerk.

Die Bürgeraktion gehe auf eine Privatinitiative Anfang der 60er-Jahre zurück mit dem Ziel, "aktive menschliche, kulturelle und soziale Verbindungen mit dem Berliner Mauerbezirk Neukölln anzuknüpfen und zu pflegen." Am 17. Oktober 1970 wurde dann, nach zuvor gefassten Beschlüssen der Neuköllner Bezirksverordneten-Versammlung und des hiesigen Gemeinderats, die erste Leonberger Städtepartnerschaft besiegelt.

Unterzeichnet ist die Urkunde vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Dieter Ortlieb sowie dem damaligen Bezirksverordnetenvorsteher Erwin Etzkorn und dem damaligen Bezirksbürgermeister Gerhard Lasson auf Seiten der Berliner.