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08.10.2019

Zu Besuch in der Partnerstadt: Leonberger Tage in Rovinj

Von Donnerstag, 26. September bis Sonntag, 29. September reiste eine Delegation aus Leonberg zu den "Leonberger Tagen in Rovinj" an die Adria. 

Mit dem Bus vom Leobad aus in Richtung istrische Küste

Die Leonberger Delegation, bestehend aus Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Stadträten, einer Dolmetscherin, Schülern sowie Lehrern des Johannes-Kepler-Gymnasiums und Mitgliedern des Musikvereins Lyra und des hiesigen Fotoclubs, startete am Donnerstagmorgen um 6 Uhr früh mit dem Reisebus vom Leobad aus über München, Villach, Salzburg und Ljubljana in Richtung istrische Küste.

Herzlicher Empfang durch die kroatischen Gastgeber gegen 19 Uhr

Am Ziel angekommen, wurden die 16 Schüler von ihren Gastfamilien herzlich begrüßt. Die übrigen Besucherinnen und Besucher wurden von dortigen Angestellten der Stadt und Freunden sowie Bekannten ebenso herzlich empfangen. 

Noch am selben Abend überreichte Oberbürgermeister Martin Georg Cohn dem Rovinjer Bürgermeister Marko Paliaga verschiedene Leonberger Präsente – unter anderem die Skulptur eines Leonberger Hundes der Hörl-Ausstellung, die im Juni dieses Jahres in Leonberg stattfand. "Vielen Dank für den herzlichen Empfang. Wir freuen uns auf die kommenden Tage bei unseren kroatischen Freunden", so das Stadtoberhaupt.

Freundschaft der Städte besteht seit 29 Jahren

Bereits während der 80er-Jahre gab es erste Kontakte auf der Sport- und Vereinsebene: Durch einen jugoslawischen Trainer nahm die Jugendmannschaft des TSV Eltingen am internationalen Jugendfußballturnier in Rovinj teil. Im Gegenzug kam die Rovinjer Jugendmannschaft zum Pfingstturnier nach Leonberg. 1990 wurde dann der Partnerschaftsvertrag im Rahmen des Pferdemarkts in Leonberg und im darauf folgenden Herbst in Rovinj unterzeichnet.

Knapp zwölf Prozent der 14.000 Einwohner Rovinjs gehören der italienischen Minderheit an

Am Tag nach der Ankunft stand zunächst ein Besuch des italienisch-kroatischen Gymnasiums auf dem Programm. In Kroatien gehen die Jugendlichen bis zur 8. Klasse in die Grundschule, danach auf eine weiterführende Bildungseinrichtung. Die Schule bietet Unterricht sowohl auf Kroatisch als auch auf Italienisch an.

Schüler tauschten sich aus: Klimawandel und die Auswirkungen auf den Mittelmeerraum

In einem Vortrag präsentierten die Leonberger Italienisch-Schüler – passend zu "Fridays für Future" – ihre Sicht zum Thema "Klimawandel". Die 16 Jugendlichen erklärten nacheinander auf Italienisch die Ursachen und Konsequenzen sowie notwendige Schritte, um den CO2-Ausstoß zu minimieren. Danach erläuterten die kroatischen Schüler ihren Standpunkt, bevor sich eine weitere kroatische Gruppe des italienischen Schulteils mit den Folgen für den Mittelmeerraum beschäftigte, etwa für die Flora und Fauna sowie für die Tierwelt.

"Wir sind sehr dankbar, dass wir die italienische Sprache, welche wir am Johannes-Kepler-Gymnasium lernen, hier in Rovinj auch leben können", so Lehrerin Cosimina Kehl.

Doch ist es nicht nur die Gegenwart, welche diese Partnerschaft besonders macht. David Modrusan etwa kam im Alter von 15 Jahren mit dem Fußball das erste Mal nach Leonberg, heute arbeitet er als Lehrer am kroatischen Teil der Schule in Rovinj und betreut die deutschen Austauschschüler mit. "Unser Ziel ist es, Schüler offen anderen Kulturen gegenüber zu erziehen", so Modrusan.

Führung durch die malerische Altstadt in Rovinj

Kleine, verwinkelte Gassen und historische Gebäude sorgen für ein einmaliges Mittelmeer-Ambiente. Das romanisch-gotische Stadtbild ist geprägt von Einflüssen aus Renaissance, Barock und von neoklassizistischen Bauten.

Die Römer gaben im 2. Jahrhundert dem damals unbedeutenden Inselort den Namen "Ruginium". Ab dem Jahr 1283 zu Venedig gehörend, erlebte Rovinj eine längere Blütezeit. Während des Wiener Kongresses, nach der Niederlage Napoleon Bonapartes, wurde 1815 mit dem Zuschlag der Region Illyrien an die Habsburger auch Rovigno unter österreichische Herrschaft gestellt. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg fiel die Stadt mit Istrien an Italien. Als Folge des Zweiten Weltkriegs befand sich Rovinj von da an unter jugoslawischer Herrschaft – es gehörte zur Teilrepublik Kroatien, die seit 1991 unabhängig ist.

Grandiose Stimmung beim Konzert und gemeinsamem Musizieren

Der Musikverein Lyra spielte am Freitagabend – zunächst mit ausgewählten Musikern und befreundeten kroatischen Musikern – ein Konzert. Unter der Leitung von Dirigent Herward Heidinger spielte das Große Lyra-Blasorchester anschließend seine typischen blas- und marschmusischen Klänge vor vollen Rängen in den traumhaften Sommerabend.

Am Ende platzte die Bühne in einem Innenhof in der Altstadt aus allen Nähten, als alle deutschen und kroatischen Musiker gemeinsam auf die Bühne kamen und musizierten, auch Treppen und Balkone wurden genutzt – ein furioses Finale.

Abendliche Bootsfahrt mit dem Batana

Während die Musiker, welche den Tag im benachbarten Pula verbrachten, und die Schüler des JKG den Abend gemeinsam mit Familien und Freunden im Innenhof des Konzerts ausklingen ließen, schloss sich für die anderen eine Batana-Bootsfahrt mit anschließendem Essen mit Bürgermeister Marko Paliaga in einer Taverne direkt am Meer an.

Das Batana ist das traditionelle Rovinjer Fischerboot aus Holz und ein Symbol der Stadt. Die Tradition rund um das Boot und die Fischerei wurde 2017 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

Das sechstgrößte Amphitheater der Antike steht in Pula

Am Samstag stand für Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, die städtischen Beschäftigten und für die Stadträte eine Führung durch Pula auf dem Programm – unter anderem wurde das Amphitheater besichtigt. Es ist das sechstgrößte der Antike und eines der am besten erhaltenen.

Noch heute finden in dem Areal regelmäßig Konzerte statt. Auch wurde beispielsweise das Fußball-WM-Finale im vergangenen Jahr zwischen Frankreich und Kroatien in dem Theater auf Leinwand übertragen.

Auch regionale Spezialitäten wurden mit Freude verköstigt

Nach der Altstadt-Führung folgten eine Verköstigung von Olivenöl sowie eine Weinprobe – für beide Produkte ist Istrien weltweit bekannt.

Die enge Freundschaft beider Städte ist ein starkes Zeichen

"Wir sind während der vergangenen Tage freundschaftlich sehr eng zusammengerückt. In Zeiten, in denen Europa manchmal infrage gestellt wird, ist das ein starkes Zeichen", resümierte Cohn beim gemeinsamen Abendessen am Samstag, an dem, wie die Tage zuvor, auch Vertreter des Rovinjer Gemeinderats teilnahmen.

Am Sonntagmorgen ging es um 8.30 Uhr wieder mit dem Bus zurück über Ljubiljana, Villach, Salzburg und München nach Leonberg.

Jubiläum 30 Jahre Partnerschaft im nächsten Jahr

Im kommenden Jahr wird das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft gefeiert. Die Rovinjer werden dann wieder zu Gast in Leonberg sein.