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10.09.2019

Ausstellung im Galerieverein: "Lichtwerk" von Thomas Deyle

Der Künstler stellt vom 15. September bis zum 27. Oktober aus. 

Thomas Deyle bei Vernissage anwesend

Vom 15. September bis zum 27. Oktober ist eine neue Ausstellung im Galerieverein Leonberg zu sehen. "Lichtwerk" heißt die Schau von Maler Thomas Deyle.

Die Vernissage findet am kommenden Sonntag, um 11.15 Uhr statt. Eva Ott, Vorsitzende des Galerievereins, wird die Gäste begrüßen und der Stuttgarter Kunsthistoriker Markus Golser wird in das Werk des Künstlers, der ebenfalls anwesend sein wird, einführen.

Thema: Licht und Farbe

Seit rund 30 Jahren wendet sich der 1957 in München geborene Thomas Deyle einem in der Geschichte der Malerei keinesfalls neuen Thema zu: Licht und Farbe. Umso erstaunlicher mutet es an, dass es ihm durch alle Werkphasen hindurch gelingt, neue und individuelle Antworten auf Fragen zu geben, die etwa die US-Amerikanische Farbfeldmalerei, die Minimal Art oder die "Radikale Malerei" schon vor Jahrzehnten gestellt hatten.

Dabei veranschaulichte er seine spezifische, höchst sensible Wahrnehmung des Lichts und seiner kaum merklichen Veränderungen zunächst an gegenständlichen Motiven. Diese frühen Arbeiten werden als Dokumente des Anfangs einer stringenten und konsequenten Entwicklung - zum ersten Mal seit langer Zeit - in der Leonberger Ausstellung gezeigt.

Bildgestaltung mit Plexiglas

Nach einer von gestischem Duktus bestimmten, abstrakt-expressiven Phase Ende der 80er-Jahre gelangte Thomas Deyle zu jenen von Gegenstand und persönlicher Pinselschrift gelösten Arbeiten, die sein Gesamtwerk bis heute prägen. Das Vibrieren des immateriellen Lichts materialisiert sich in monochromen Farbflächen oder Farbverläufen.

Mit Glas, später Plexiglas als Bildträger, eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten der Bildgestaltung und -wirkung. Zunehmend wichen die bis zum Rand deckend aufgebrachten Allover-Paintings Farbstrukturen, die sich vom transparenten Rand zum Zentrum hin verdichten und so zum räumlichen Erscheinungsbild der Flächen beitragen.

Durch den durchsichtigen Bildträger schweben die rechteckigen oder runden Farbwolken als gleichermaßen durchdringliches wie in stetiger Veränderung begriffenes Gebilde im neutralen Raum. Das Bild löst sich im Auge des Betrachters vom Bildträger. Selbst die farbgebenden Elemente scheinen sich aus dem bindenden Acryl zu befreien und einen Nebel aus reinem Pigment zu bilden.

Überlagerung vieler Farbschichten

Voraussetzung dieser beeindruckenden Sichtbarmachung des sensiblen Farb- und Lichtempfindens ist ein sehr bewusster, technisch höchst aufwändiger Malprozess: nahezu "exerzitienhaft" trägt Thomas Deyle mit der Kunststoffwalze hunderte, bisweilen über 1.000 lasierende Farbschichten auf eine Plexiglasplatte auf. Mit zunehmender Überlagerung der Schichten sättigt und verdichtet sich die Farbe zum Zentrum hin. Durch Übereinanderlegen unterschiedlicher Farbtöne entstehen gleichmäßige, fast unmerkliche Farbverläufe.

Zur Begrenzung der jeweils nächsten Farbschichtung arbeitet er mit flexibel über den Bildträgern gespannten Gummibändern, die nach zuvor festgesetzten Abstandsparametern versetzt werden. Letztere leitet Thomas Deyle aus vorab frei gezeichneten Kurven und daraus berechneten Koordinaten ab. Die von ihnen festgelegten Schichtungen werden als Zahlenkolonnen auf den Zeichnungen dokumentiert.

Diese vorbereitenden und begleiteten Grafiken präsentiert der synästhetisch empfindende Sohn eines Dirigenten als "Partituren", die, bei veränderbarer Interpretation, wiederholbar wären. Innerhalb dieses mathematisch-rationalen Entstehungsprozesses lässt Deyle sich und seiner Kunst aber Raum für Intuition, indem er das Ausgangskonzept im Sinne der Wirkungsabsicht während der Bildgestaltung immer wieder korrigiert. So entstehen Arbeiten, die bei aller Rationalität des Konzeptes noch die Expressivität des Frühwerks wahren und die Emotionalität der Farbe in den Mittelpunkt der Bildwirkung rücken.

Öffnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung im Galerieverein, Zwerchstraße 27 in Leonberg, ist dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags jeweils von 10 bis 14 Uhr geöffnet.